Gemeine Diebe?
Wednesday, December 5th, 2007Durchsage im IC nach Hamburg:
"Zur Zeit haben wir im Restaurant keine Sitze mehr, sobald wieder Sitze vorhanden sind werden wir sie informieren."
Hoffentlich wurden die Stuhl-Diebe erwischt …
Durchsage im IC nach Hamburg:
"Zur Zeit haben wir im Restaurant keine Sitze mehr, sobald wieder Sitze vorhanden sind werden wir sie informieren."
Hoffentlich wurden die Stuhl-Diebe erwischt …
Das Fernsehmagazin Kontraste berichtete gestern Abend über die Deutsche Bahn. In dem Beitrag ging es um einen Bericht der Bahn, in dem sie den Zustand ihres Schienennetzes dokumentiert. Alles prima – so die Zusammenfassung des letzten Berichts. Nur 35 "Langsamfahrstellen" gebe es beispielsweise in Berlin-Brandenburg. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg gab jedoch selbst ein Gutachten in Auftrag – und fand heraus: An weit über 600 Stellen mussten die Loks ihre Geschwindigkeit drosseln.
Das meinen wir ist Trickserei. DB Netz sagt, alles, was länger eine Langsamfahrstelle ist als nach dem letzten Fahrplanwechsel ist für DB Netz keine Langsamfahrstelle. Das heißt, wenn der Schaden nicht beseitigt ist, und es kommt der nächste Fahrplan, denn jedes Jahr haben wir ja Fahrplanwechsel, dann sagt Netz: Jetzt ist das eine reguläre Fahrstelle und keine Langsamfahrstelle mehr. Das kann einfach nicht sein.
Hans-Werner Franz, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg
Der Bericht schließt mit der treffenden Bemerkung: "Wenn Bahnchef Mehdorn sich mit seinen Plänen durchsetzt und die Abgeordneten grünes Licht für die Privatisierung auch des Netzes geben – dann sieht die Zukunft des Regionalverkehrs so aus: Vergammelt, vergessen und verkauft. "
Der Beitrag kann auf den Webseiten von Kontraste angeschaut werden (leider nur im Windows Media Format).
Nichtraucher aufgepasst, am Wochenende haben zwei Raucher Passagiere in einer Regionalbahn bei Köln angegriffen. Einer der Raucher stach mit einem Messer auf einen 33-jährigen Mitfahrer ein. Der Mann wurde an der Hand leicht verletzt. Wie der Kölner Stadtanzeiger berichtete konnte einer der Täter an der Haltestelle Technologiepark bis zum Eintreffen der Polizei von den Mitreisenden festgehalten werden. Der zweite Täter ist noch flüchtig.

Hartmut Mehdorn ist Sprachpanscher des Jahres Foto: DB AG/Klimek
Der Verein Deutsche Sprache verleiht seit 1997 den Titel 'Sprachpanscher des Jahres'. Der Preis wird an Personen und Institutionen verliehen, die sich nach Ansicht der Sprachschützer durch einen besonders nachlässigen Umgang mit der deutschen Sprache auszeichnen. Dieses Jahr hat es die Deutsche Bahn AG mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn getroffen.
Die weltweit über 30.000 Mitglieder des Vereins Deutsche Sprache e.V. haben Hartmut Mehdorn, den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, zum Sprachpanscher des Jahres 2007 gewählt. Nach Johannes Ludewig ist Mehdorn damit bereits der zweite Bahn-Chef, dem diese zweifelhafte Ehre zuteil geworden ist. "Leider hat die Deutsche Bahn aus diesem ersten Preis nicht viel gelernt" kommentierte Vereinsvorsitzender Krämer das Ergebnis dieser Wahl. "Noch immer gibt es an deutschen Bahnhöfen counter statt Schalter, einen service-point statt einer Auskunft und zum Pinkeln muß man zu McClean". (Quelle: vds-ev.de)
Übrigens, neben dem 'Sprachpanscher des Jahres' kürt der Verein auch den 'Sprachhunzer des Monats', den Begriff 'Internet' erlauben sie uns gnädigerweise aber noch. Aber wer Freunde und Förderer wie den Kulturchef des Spiegel Matthias Matussek hat, der sich mit dem 'schönen' Testimonial zitieren lässt,
"Es gibt unwiderlegbare Zusammenhänge zwischen der Bindungskraft einer Nation und ihrem wirtschaftlichen Erfolg."
was zwar deutsch aber ansonsten sinnlos ist, braucht sowieso keine Kritiker mehr.
In der minutengenauen Auskunft heisst es lapidar 'Stellwerksstörung/-ausfall' - was sich dahinter verbirgt ist ein Kabeldiebstahl bei Nauen. Unbekannte hatten am Nachmittag Kabel im Bereich des Stellwerks Nauen in Brandenburg durchgeschnitten, um an das Metall heranzukommen. Dadurch kam es zu erheblichen Beinträchtigungen im Regional- und Fernverkehr.
Zur Zeit werden die ICEs zwischen Hamburg und Berlin über über Stendal und Salzwedel beziehungsweise Wittenberge umgeleitet. Es kommt zu Verspätung von ca. 30 Minuten. Die Behinderungen sollen noch bis in den späten Abend anhalten.
Die Zeit berichtet über mögliche Gegenmaßnahmen der Bahn:
Die Bahn prüft nun, ob sie den Tätern künftig mit ultraviolettem Pulver an den Gleisanlagen oder einem neuen Alarmsignal bei plötzlichem Spannungsabfall schneller auf die Schliche kommen kann. Beide Methoden seien in der Entwicklung, hieß es. Die Diebstähle sind für die Bahn ein neues Phänomen, seit die Preise für Buntmetall auf dem Weltmarkt rasant gestiegen sind. Ein kurzes Kabel reicht aber nicht, um reich zu werden. Deshalb stehlen die Diebe in großem Stil.
Zum G8-Gipfel zeigt sich die Deutsche Bahn als besonders flexibler Dienstleister. So wird nicht nur das Angebot an Zügen deutlich ausgebaut …
Nach Bestellung durch das Land Mecklenburg–Vorpommern hat DB Regio das Zugangebot anlässlich der Veranstaltungen rund um den G8-Gipfel erhöht. In der Zeit vom 1. bis 9. Juni wird ein größeres Aufkommen von Reisenden erwartet, so daß umfangreiche Verstärkungen der Züge und dichtere Fahrplantakte angeboten werden. (Quelle: db.de)
…, sondern auch gleich den Reisenden hinterher gespitzelt.
Wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe unter der Überschrift 'Stille Kontrollen im Zug' berichtet, sind die Zugbegleiter in Fernzügen angewiesen worden, potentielle Demonstrantengruppen zu melden. Dabei zitiert sie aus der Anweisung:
"Da die globalisierungskritische Szene nicht unbedingt als solche zu identifizieren ist", sei "anlassbezogen eine Vormeldung von größeren Reisegruppen (z.B. in Richtung Rostock) an interne Stellen vorzunehmen. […] Möglichem Gefahrenpotential" sei durch "polizeiliche bzw. betriebliche Maßnahmen frühzeitig und konsequent entgegenzuwirken." (Quelle: Süddeutsche 31.05.2007, nicht online verfügbar)
Bahnfahren in Indien ist immer ein Abenteuer, aber was ich gestern von einem Freund aus Delhi erfahren habe ist auch für indische Verhältnisse ungewöhnlich.

Züge in Indien können mehr als einen Kilometer lang sein …
Durch eine Notbremsung ist ein Zug im Bundesstaat Bihar in einem stromlosen Abschnitt der Oberleitung zum Stehen gekommen. Statt den Ärger der Passagiere durch (vermutlich stundenlanges) Warten auf eine Diesellok zu provozieren, wurden die Reisenden gebeten den Zug ein Stück nach vorne zu schieben.

… hier ein Fernreisezug im Bahnhof von Ernakulam im Bundesstaat Kerala
In einer halben Stunde harter Arbeit ist es gelungen den Zug etwa vier Meter zu bewegen, so dass ein stromführender Abschnitt der Oberleitung erreicht wurde und der Stromabnehmer seinem Namen wieder alle Ehre machen konnte. Den indischen Zugreisenden gebührt unser aller Respekt, denn wer bei Reiszügen an europäische Zuglängen denkt liegt etwas daneben, indische Fernreise sind gerne etwas länger.

Sicherheit mit Plastikband - Girlanden sichern einen Bahnübergang in Bonn
Fast 200 Bahnübergänge der Deutschen Bahn müssen geschlossen oder besonders überwacht werden. Bei den Übergängen, alle mit der Technik eines bestimmten Herstellers ausgestattet, kann es zu Sicherheitsproblemen kommen. So können sich die Schranken in bestimmten Fällen vorzeitig öffnen, obwohl die Züge den Übergang noch nicht vollständig passiert haben.
Die Rheinische Post berichtet in ihrer Online-Ausgabe über die Reaktion der Bahn. Besonders interessant, die Aussage von Bahnsprecherin Scharl, dass die Bahn jetzt "sehr zügig" ermittele, wo sich die betroffenen Bahnübergänge befinden.
Die Bahn hat gegenüber den Maßnahmen des Eisenbahn-Bundesamtes, die Bahnübergange zu schließen oder dauerhaft manuell zu sichern, Widerspruch eingelegt. Die Experten der Bahn kamen zu dem Schluss, dass sich auch mit weniger drastischen Maßnahmen die Gefahr bannen lasse. Es reiche aus, wenn die Fahrdienstleiter die Schranken elektronisch verriegelten.
In der Süddeutschen Zeitung habe ich dazu den erhellenden Leserkommentar eines Fahrdienstleiters (FD) gefunden:
Was für Schwachsinnsexperten!
Die meisten übergänge kann der Fahrdienstleiter gar nicht sperren, da sie vollautomatisch resp. mit Wirksamkeitschaltung funktionnieren.(d.h. eine bestimmte Zugfahrt muss eingestellt sein) Solche übergänge haben keine Sperre die der FD bedienen kann. (bin selber FD)
Sperren heisst in diesem Fall Dauersperre, das heisst der Bahnübergang wird geschlossen, dann erst die Zugfahrt gestellt und erst geöffnet wenn der Fahrdienstleiter sicher ist, dass der Zug vorbei ist, je nach Strecke kann das eine laaaaaange Zeit sein, eine halbe Stunde oder mehr im ungünstigsten Fall.
Mit der zunehmenden Privatisierung ist das kein Zufall. Solche vorzeitigen öffnungen können z.B. auch passieren wenn überlange Waggons im Zug sind, mit einem Achsabstand der grösser ist als die Schrankenanlage erwartet, diese glaubt dann der Zug sei schon vorbei. Wenn solche Waggons unangemeldet in einen Zug geraten sind da zuviele Stellen abgebaut wurden die das verhindern sollten, kommen solche Sachen nun mal vor.
Mal sehen was da noch kommt. Während in Bonn weiterhin Girlanden zum Einsatz kommen, wurden in Emmerich fünf von dem betroffenen Hersteller ausgerüstete Übergänge geschlossen.
Am Donnerstag öffnete sich eine Schranke in Bonn Wasserland noch während der Durchfahrt eines Güterzugs. Schon am Freitag ordnete das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) (Sitz übrigens auch in Bonn), dass alle Bahnübergänge des gleichen Typs entweder durch zusätzliche Streckenposten gesichert oder dauerhaft geschlossen werden müssen. Bundesweit sind fast 200 Bahnübergänge betroffen.

Bahnübergang Weberstraße in Bonn
In Bonn entschied man sich ab Freitag für die erste Lösung. Die Bahnübergänge werden durch Streckenposten mit einer rot-weißen Plastikgirlande gesichert und die Schranken bis auf weiteres per Hand bedient.

Streckenposten sichern den Bahnübergang per Girlande
Bei der dichten Zugfolge auf der Strecke zwischen Bonn und Koblenz können Probleme da nicht ausbleiben. Für die Anwohner kommt es zu längeren Wartezeiten an geschlossenen Schranken. Für die Bahnfahrer ist es ein wenig schlimmer. Der Nahverkehr zwischen Bonn Hauptbahnhof und Bonn Mehlem ist stark ausgedünnt. Die Züge aus Ahrweiler enden bis auf weiteres in Bonn-Mehlem, die Regionalzüge aus Wuppertal enden in Bonn Hauptbahnhof. Auch in Fernverkehr kommt es aufgrund der Störung zu leichten Verspätungen.
Während in der Haupstadt ein Glaspalast für 1,2 Milliarden Euro enstanden ist (nicht sturmsicher aber toll), sollen in der Provinz Bahnhöfe aus Kostengründen verkauft oder abgerissen werden (nicht so toll aber sturmsicher). So sollen allein in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg 177 von 283 Bahnhöfen verkauft oder gleich abgerissen werden. Die Bahn versprach zwar keine Haltepunkte zu streichen, aber das Unternehmen will sich von den Gebäuden trennen, die "nur noch Kosten verursachen".
Was aus den Kunden wird, die bei Wind und Wetter auf den Zug warten, ist der Bahn scheinbar egal. Immer weniger versteht sich die DB AG als ein Bahnkonzern, der alle Dienstleistungen rund das Zugreisen anbietet. Nachdem schon fast flächendeckend Automaten die Fahrkartenschalter mit Personal abgelöst haben, geht es jetzt den Bahnhöfen and den Kragen.