Schaut man sich die Diskussion um den geplanten Börsengang der Bahn an, rechnet man alle öffentlichen Zuschüsse zusammen, blickt man auf die Investitionspolitik der Bahn ist für den Bahnkunden die Entscheidung klar: Die Bahn muss im Besitz der öffentlichen Hand bleiben.
Keines der verbliebenen beiden Modelle zum Börsengang berücksichtigt auch nur in Ansätzen angemessen die Interessen der Kunden. Eine börsennotierte Bahn würde sich schnell von vermeintlich unrentablen Strecken trennen, der Staat wäre weiterhin mit hohen Zuschüssen an den Investitionen des nun privaten Konzern beteiligt, hätte aber kaum noch Einfluss auf den Konzern.
Egal, ob mit Netz oder ohne Netz: steigende Preise und schlechterer Service wären die direkte Folge. Auch die Gewerkschaft irrt, wenn sie Seite an Seite mit dem "großen" Vorsitzenden Mehdorn um den kompletten Börsengang mit Netz kämpft. Spätestens mit Ablauf des Beschäftigungspaktes 2010 steht eine privatisierte Bahn vor einer großen Entlassungswelle.
Schon heute kommt es, trotz des noch möglichen staatlichen Einflusses, zu eklatanten Fehlentscheidungen der Bahn. Sie setzt einseitig auf den Ausbau des Fernverkehrs, dabei fahren über 90 Prozent der Kunden, Strecken von weniger als 50 Kilometer Länge. Großprojekte, über deren Notwendigkeit man gerne streiten kann, stehen im Vordergrund. Der Bahnverkehr in der Fläche wird weiter ausgedünnt, sinkende stattliche Zuschüsse für den Nahverkehr lassen weitere Preissteigerungen und eine Verschlechterung des Angebots befürchten. Aber auch im Fernverkehr kommt es abseits der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecken zunehmend zu Verspätungen durch immer neue Baustellen und Langsamfahrstellen, die Pünktlichkeitsquote des Fernverkehrs ist 2006 wieder gesunken.
Was wäre die Alternative zu einer Privatisierung. Vielleicht ein Modell nach dem Vorbild der Schweizer Bahn, deren Bahnverkehr von Mehdorn herabwürdigend als "eine Art bessere S-Bahn" verunglimpft wurde, die es aber ohne Tarifdschungel, mit einem breiten, gut getakteten Angebot in der Fläche schafft, relativ gesehen fast doppelt soviel Personen auf die Schienen zu bringen, wie die Deutsche Bahn.
Was die Bahnkunden brauchen ist mehr Einflußmöglichkeit auf die Gestaltung der Bahnpolitik und dies wird nicht gegeben sein, wenn der Konzern erst einmal privatisiert ist. Bahnkunden brauchen eine Bürgerbahn und keine profitoriente, privatisierte Nobelbahn, die zu üppigen Preisen nur noch zwischen Großstädten angemessenen Service bietet. Mit dem Börsengang der Bahn bleiben weiterhin hohe staatliche Zuschüsse für den Unterhalt des Netzes verbunden, nur dass der Staat dann keinen Einfluss mehr auf die Verwendung der Gelder hat. So werden Verluste vergesellschaftet und Gewinne privatisiert.
Das Bündnis "Bahn für alle", das von Attac, dem BUND, den Naturfreunden und anderen Initiativen getragen wird, will den geplanten Börsengang verhindern:
Im Herbst 2006 wird der Bundestag über den sogenannten Börsengang der Deutschen Bahn entscheiden. Über 100 Milliarden Euro ist sie wert, für nicht einmal 15 Milliarden Euro soll sie an Großinvestoren verscherbelt werden. Und die erwarten eine saftige Rendite. Die Folgen sehen wir in England: zahllose Streckenstilllegungen, explodierende Preise, Massenentlassungen und Fahrplanchaos. "Fit für die Börse"!?
Mobilität ist ein Grundbedürfnis und darf nicht von Renditejägern ausgeschlachtet werden. Denn es geht auch anders: Die Schweiz bietet das beste Beispiel für eine gut funktionierende und bürgernahe Bahn in öffentlicher Hand.
Es ist noch nichts entschieden. Unterstützen Sie die Kampagne "Bahn für Alle": Informieren Sie sich unter "Worum geht es?", beteiligen Sie sich ganz einfach unter "Mitmachen!" - für eine Bahn, die "fit für die Menschen" ist! (Quelle: bahn-fuer-alle.de)
Schreiben Sie Ihren Abgeordneten eine E-Mail und klären Sie sie über Ihre Wünsche und Bedürfnisse auf, schreiben Sie ihnen, was Sie von einer Privatisierung halten. Noch ist ein wenig Zeit, Einfluss zu nehmen.