Archive for the 'bahnhof' Category

Tiefensee will kleine Bahnhöfe schließen lassen

Tuesday, October 9th, 2007

Der Ausverkauf der Bahn geht schon vor der geplanten Privatisierung weiter. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, will Bundesverkehrsminister Tiefensee für Bahnhöfe mit weniger als 100 Fahrgästen pro Tag keine Bundeszuweisungen an die Länder mehr geben.

Rollstuhlfahrer unerwünscht?

Ebenfalls sollen keine Bundesmittel mehr in den barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen gesteckt werden, wenn sie weniger als 1000 Ein- und Ausstiege an Werktagen haben. Ebenfalls sollen keine Strecken mehr gefördert werden, die weniger als 1000 Personenkilometer haben.

Das geht aus einem Entwurf für ein Kernstück der Bahn-Privatisierung hervor. "Verbesserungs- und Ausbaumaßnahmen für den Schienenpersonennahverkehr, deren Umsetzung volkswirtschaftlich nicht zu vertreten ist, sind zu unterlassen", heißt es in der Anlage 7.4 zur sogenannten Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung (LuFV), die der FTD vorliegt. (Quelle: ftd.de)

Bahn soll um jeden Preis kapitalmarktfähig gemacht werden

Damit will Tiefensee offensichtlich konsequent Forderungen aus einen Gutachten umsetzen, dessen Existenz der Minister immer wieder leugnete (Bahnblog berichtete am 17.9.07). In der streng vertraulichen Untersuchung der Investmentbank Morgan Stanley, die 2004 im Auftrag der Bundesregierung zur Börsenfähigkeit der Bahn erstellt wurde, wurden verschiedene Modelle untersucht. Unter anderem wurde durchgerechnet, wieviel Geld der Bund künftig an den Konzern überweisen müsste, wenn man 2.630, 8.000 oder sogar 14.000 Kilometer des bestehenden Netzes, von 34.000 Kilometer Länge stilllegen würde.

Das fragwürdige Spiel von Minister Tiefensee

Kritiker werfen dem Minister vor, die Kriterien einseitig von der Bahn übernommen zu haben. "Solche Kriterien hat es noch nie gegeben. Gälten sie vergleichbar für den Bund, müsste er zwei Drittel der Projekte, zum Beispiel die Strecke Nürnberg-Erfurt, sofort streichen." Tiefensee habe die Kriterien schlicht von der Deutschen Bahn übernommen, sagte der Verkehrsexperte Michael Holzhey vom Beratungsunternehmen KCW der Financial Times Deutschland. KCW hatte das Gutachten der Länder erstellt, dass sich kritisch mit dem Börsengang auseinander setzt.

Zahlreiche Strecken im Bestand gefährdet

Auch das Argument des Ministeriums es handele sich lediglich um Vorgaben für den Ausbau und Verbesserungen von Strecken ist nach Meinung Holheys irrelevant. "Jede Bestandsmaßnahme wird schnell zum Ausbau. Wenn man auch nur eine Regionalstrecke von 60 auf 100 Stundenkilometer bringen will, ist das schon Ausbau." so Holzhey gegenüber der FTD. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) befürchtet, dass nach den Kriterien des Ministeriums mehr als die Hälfte der Bahnhöfe in seinem Bundesland geschlossen werden müssten.

Bahnhofsbilder 2 - Köln-West

Saturday, June 30th, 2007

Bahnhof Köln-West
Das Elend fährt im Nahverkehr - Bahnhof Köln-West

Verrottete Bahnsteige, defekte Anzeigetafeln und Durchsagen garantiert dann, wenn auf dem Nachbargleis ein Güterzug durchdonnert. Köln-West ist ein typischer Vertreter für viele Bahnhöfe im Nahverkehr. Schon seit Jahren gibt es hier keinen Fahrkartenschalter mehr. Fahrscheine werden seit dem 1. Juni in NRW nicht mehr in den Nahverkehrszügen verkauft.

Bahnhofsbilder 1 - Kröpelin

Sunday, June 10th, 2007

Der Bahnhof in Kröpelin
Der Bahnhof in Kröpelin

Das von der Deutschen Bahn AG aufgegebene Bahnhofsgebäude im mecklenburgischen Kröpelin. Von Haltepunkt Kröpelin aus fahren zwischen 5:00 Uhr und 21:00 Uhr Züge in Richtung Rostock/Tessin und nach Wismar.

Prachtbau vs. Provinz - 1:0

Monday, February 19th, 2007

Während in der Haupstadt ein Glaspalast für 1,2 Milliarden Euro enstanden ist (nicht sturmsicher aber toll), sollen in der Provinz Bahnhöfe aus Kostengründen verkauft oder abgerissen werden (nicht so toll aber sturmsicher). So sollen allein in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg 177 von 283 Bahnhöfen verkauft oder gleich abgerissen werden. Die Bahn versprach zwar keine Haltepunkte zu streichen, aber das Unternehmen will sich von den Gebäuden trennen, die "nur noch Kosten verursachen".

Was aus den Kunden wird, die bei Wind und Wetter auf den Zug warten, ist der Bahn scheinbar egal. Immer weniger versteht sich die DB AG als ein Bahnkonzern, der alle Dienstleistungen rund das Zugreisen anbietet. Nachdem schon fast flächendeckend Automaten die Fahrkartenschalter mit Personal abgelöst haben, geht es jetzt den Bahnhöfen and den Kragen.

'The Cloud' bietet WLAN auf Bahnhöfen an

Thursday, December 21st, 2006

Der Anbieter von WLAN-Netzwerken The Cloud bietet bis Ende Januar 2007 auf den 25 größten deutschen Bahnhöfen drahtlose Internetzugänge an. Dazu gehören die Bahnhöfe in Augsburg, Berlin, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Frankfurt, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart. In einer Pressemitteilung heißt es, nach der Startphase mit T-Mobile-Hotspots von Januar bis November 2006 etabliere die DB Station&Service jetzt ein "nationales Multiprovider-Modell mit offener Plattform".

Die Funkverbindung erfolgt über die Hotspots zum WLAN-fähigen mobilen Endgerät des Kunden. Nach der Verbindung mit der WLAN-Startseite der Deutschen Bahn kann der Nutzer über The Cloud online Zugangsvoucher erwerben. Der Kunde zahlt mit Kreditkarte. Zusätzlich kann er an einigen Bahnhöfen Rubbel-Voucher gegen Barzahlung erwerben. Für Bahnreisende eignen sich vor allem die Kurzzeitvoucher mit Wertguthaben von 30 Minuten (ab 4,95 €) und 180 Minuten (ab 13,95 €), da sie sich mehrfach einwählen können, bis das Guthaben verbraucht ist und sie nur die genutzten Sekunden bezahlen.

Bislang konnte an mehr als 20 Bahnhöfen über die Zugänge von T-Mobile-Hotspots gesurft werden, dort lagen die Preise für Spontan-Surfer ähnlich hoch: 15 Minuten 2,- EUR, 1 Stunde 8,- EUR, 3 Stunden 14,- EUR und 24 Stunden kosteten 18,-EUR, wobei ein einmal angefangenes Zeitguthaben nicht unterbrochen werden konnte. Wer von den gekauften 15 Minuten nur drei genutzt hatte ging danach leer aus.

Über die WLAN-Zugänge von T-Mobile-Hotspots konnten alle Bahn-Seiten kostenlos aufgerufen werden, mal sehen, ob das bei 'The Cloud' so bleiben wird.

Herzlichen Glückwunsch Hamburg

Wednesday, December 6th, 2006

Blick in die Haupthalle des Hamburger Hauptbahnhofs
Blick in die Haupthalle des Hamburger Hauptbahnhofs (Bild: DB AG/Jazbec)

Am 6. Dezember ist der Hamburger Hauptbahnhof 100 Jahre alt geworden. Bis zu 450.000 Passagiere benutzen die Station im Zentrum der Hansstadt täglich. Damit ist er der am meisten frequentierte Bahnhof Deutschlands, auf den Plätzen zwei und drei folgen München und Frankfurt am Main.

Der Bau des Haupbahnhofs löste vier andere Bahnhöfe ab:

  • Der Berliner Bahnhof wurde 1846 am Oberhafen für die Berlin-Hamburger Bahn errichtet an der Stelle, an der sich heute die Deichtorhallen befinden.
  • Der Lübecker Bahnhof wurde 1865 von der Lübeck-Büchener Eisenbahn an der Stelle errichtet, an der aus der Strecke nach Lübeck heute der S-Bahn-Viadukt in Richtung Hammerbrook und Harburg herausgeführt wird.
  • Der Bahnhof Klosterthor wurde 1866 als Endpunkt der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn gebaut und befand sich unmittelbar südlich der heutigen Altmannbrücke, seine Gleisanlagen wurden später zum Bahnpostamt des unmittelbar daran angebauten Hauptpostamtes Hühnerposten ausgebaut.
  • Der Hannöversche Bahnhof wurde 1872 erbaut; er bediente die Strecke in Richtung Hannover. Zunächst war geplant, die Strecke von diesem Bahnhof nach Venlo, später auch nach Paris zu führen. Daher wurde der Bahnhof zunächst Venloer Bahnhof bzw. Pariser Bahnhof genannt. Nach dem Bau des zentralen Hauptbahnhofs wurde das Gelände des Hannoverschen Bahnhofs als Hamburgs erster Hauptgüterbahnhof benutzt.

Die Deutsche Bahn feiert den Geburtstag mit einem dreitägigen Fest:

Für das historische Ambiente im Bahnhof sorgen verschiedene nostalgische Themen. Zeitungsverkäufer in altertümlichem Kostüm, Schuhputzer, Komparsen in herrschaftlichen Kostümen aus vergangenen Zeiten und Schaffner in historischen Uniformen versetzen die Besucher in das vergangene Jahrhundert. Für die weihnachtliche Stimmung sorgt ein Weihnachtsmann, der für Fotos zur Verfügung steht und kleine Geschenke verteilt. (Quelle: db.de)

Mehr Informationen zum Hamburger Hauptbahnhof auf wikipedia.de.

Skandal um Mehdorn und die 11.000 Kinder

Sunday, October 22nd, 2006

Ein lange schwelender Streit um eine Ausstellung zum Schicksal von 11.000 französischen Kindern, die mit der Deutschen Reichsbahn in den Tod geschickt wurden, ist eskaliert. Nach Angaben des Magazins Der Spiegel ist es wischen dem Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Hartmut Mehdorn zu einem persönlichen Eklat gekommen. Tiefensee verließ eine gemeinsame Besprechung, als sich Mehdorn trotz intensiven Drängens weigerte, die deutschen Bahnhöfe für eine Gedenkenausstellung für internationalen Opfer der NS-Deportationsverbrechen zu öffnen.

Die Ausstellung von der französischen Opferorganisation "Fils et Filles des Déportés Juifs de France" (FFDJF/Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs) ist in den vergangenen Jahren in französischen Bahnhöfen gezeigt wurden. Bereits im Januar gab es zum Holocaustgedenktag in mehreren deutschen Städten Proteste gegen die Weigerung der DB AG die Ausstellung in den Bahnhöfen zu zeigen. Ursprünglich geplant war, die Ausstellung im Berliner Ministerium zu eröffnen und anschließend über eine begrenzte Zahl deutscher Bahnhöfe wandern zu lassen. Da Mehdorn seit Jahren kategorisch eine Erinnerung an die Beteiligung der Reichsbahn an der Deportation der Juden auf den Bahnhöfen der Deutschen Bahn verweigert, trat der Bahnchef in Offensive.

In einem Interview mit der Zeitung die Welt griff Mehdorn die Ausstellungsinitiatoren scharf und persönlich an:

Bei der Aufarbeitung der Vergangenheit sind wir sehr aktiv, dennoch gibt es eine Diskussion, weil Frau Klarsfeld mit dem Ziel, ihre Ausstellung auf unseren Bahnhöfen zu zeigen, bei uns angefragt hat. Wir haben ihr ein Angebot gemacht. Weil wir ein eigenes Konzept haben, sind wir offenbar dafür sofort von Frau Klarsfeld angegriffen worden. Mein Eindruck ist, dass es da weniger um eine Ausstellung über deportierte Kinder geht, sondern um den Versuch einer Skandalisierung, obwohl es nichts zu skandalisieren gibt. […] Unsere Bahnhöfe sind voll, da gibt es Drängeleien, und eine ernste Ausstellung passt da nicht hin. Die Leute steigen in Eile ein, aus, um und sehen so nebenbei diese Bilder - das wäre ein Konzept nach der Methode "Shock and go".

Dabei zeigt die Ausstellung ganz bewusst keine Tote oder schockierende Dartsellungen, sondern ausschließlich Privatfotos der Opfer (Beispiel auf hagalil.com), lachende Kindergesichter, fröhliche Jugendliche.

Mehdorn verweist zur Rechtfertigung seiner Postion auf die Initiativen der Deutschen Bahn. So habe die Bahn in den Zwangsarbeiterfonds eingezahlt und eine Denkmal in Berlin finaziert, das so genannte 'Gleis 17' im Bahnhof Grunewald, vom die Berliner Juden abtransportiert wurden. Auch werde im Nürnberger Bahn-Museum der Holocaust behandelt.

Um so skandalöser erscheint die sture Weigerung des Bahnchefs, die Ausstellung zum Schicksal von 11.000 französischen Kindern in den Bahnhöfen zuzeigen, aber vielleicht könnten sich Bahnkunden beim shoppen oder warten auf den nächsten verspäteten Zug gestört fühlen.

Umfangreiche Hintergründe zur Deportation der Kinder finden sich auf den Seiten german-foreign-policy.com. Eine Fotodokumentation zum Mahnmal Gleis-17 hat der Fotograf Thomas Eilenberg online gestellt, auch die Deutschen Bahn hat Informationen zum Denkmal verfügbar gemacht.

Technorati

Bombenalarm behindert Bahnverkehr

Saturday, August 19th, 2006

Nach der Festnahme des Terrorverdächtigen Youssef Mohammed XXX in Kiel am frühen Morgen, dem eine Beteiligung an den gescheiterten Bombenanschlägen in zwei Regionalexpresslinien in Nordrhein-Westfalen zur Last gelegt wird, kam es heute zu mehreren Behinderungen im Bahnverkehr.

Kofferfund in Koblenz

Ein herrenlosen Koffer löste in Koblenz Bombenarlarm aus, ein Wagon einer Regionalexpress-Linie, in dem das Gepäckstück gefunden wurde, wurde abgekuppelt und auf einen entfernten Güterbahnhof gebracht, der Hauptbahnhof blieb während dieser Zeit gesperrt.

Bombenalarm in Hamburg

Ein anonymer Anrufer löste in Hamburg gegen 17:00 Uhr eine Räumung des Hauptbahnhofs aus. Mehrere Stunden war der komplette Fern- und Nahverkehr unterbrochen. Erst am Abend, nach einen erfolglosen Durchsuchung des Hauptbahnhofs, wurde die Sperrung aufgehoben. Mittlerweile normalisierte sich die Verkehrslage wieder.

Pünktlich zum Zug

Thursday, July 13th, 2006

Anders als Autofahrer kennen Bahnkunden zwar keinen Stau, sehr wohl aber Verspätungen. Was dem Autofahrer die Verkehrsmeldungen sind, ist für den Bahnreisenden die Verspätungstafel am Bahnhof. Alle Informationen, die dort angezeigt werden können auch bequem vom PC aus aufgerufen werden.

Reiseauskunft

Unter reiseauskunft.bahn.de findet man die für jeden Bahnhof in Deutschland die aktuelle Verkehrslage. Die Anzeige funktioniert in 5-Minuten Schritten, die Verspätungsgründe werden nicht angezeigt.

Wer es genauer wissen kann unter http://reiseauskunft.bahn.de/bin/ts/bhftafel.exe/dn?L=vs_dbdialog&rt=1&
nachschlagen, dort werden die Verspätungen minutengenau angezeigt. Angaben wie 'Warten auf Anschlussfahrgäste', 'Verzögerungen im Betriebsablauf' und 'Störung am Triebfahrzeug' erläutern den Grund.

Noch mehr Tipps und Tricks rund um die Auskunft der Bahn erfährt man auf den Seiten von bus-und-bahn-im-griff.de.

“Die Wurst ist abgebissen …” - Bahn eröffnet den Berliner Hauptbahnhof

Friday, May 26th, 2006

Heute wird der neue Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Das ist für verschiedene Zeitungen Anlass in Interviews mit dem Architekten Meinhard von Gerkan auf die Probleme mit Bahnchef Mehdorn zu verweisen. Dieser hatte am Bahnhof , angeblich kostensenkende, Veränderungen gegen den erklärten Willen des Architekten durchgesetzt. So wurden die Bahnsteigüberdachungen verkürzt und damit die Proportionen des Gebäudes deutlich verändert, Gewölbedecken durch einfache flache ersetzt und das Außenbeleuchtungskonzept geändert.

Gerkan spricht in einem Interview mit der taz von einer ‘Vernichtungsaktions’ an seiner Architektur und äußert sich entsetzt über Mehdorn, der während der Bauzeit vom neuen Hauptbahn als seinem Schlafzimmer gesprochen hatte, in dem er die Tapeten bestimmen dürfe. Im einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung hält Gerkan seine Eröffnungsrede, die ihm die DB AG verwehrt hatte, hier in Auszügen zitiert:

Der heutige Bahnchef tut so, als hätten sie alles allein aus dem Hut gezaubert. Dabei ist das, was heute eingeweiht wird, derjenige Teil eines Gesamtwerkes, der die Zerstörungsaktionen der Bahn überstanden hat. Die beiden schlimmsten Verstümmelungen sind hinlänglich bekannt: Erstens die mutwillige Verkürzung des Bahnhofsdaches, die zu gravierenden funktionalen, städtebaulichen und architektonischen Mängeln geführt hat. Alle Behauptungen der Bahn, dadurch seien Kosten und Zeit gespart worden haben sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt. Die Dachverkürzung verursachte Mehrkosten von rund 40 Millionen Euro. Auch die Bauzeit verlängerte sich dadurch. Zweitens: Die verbeulte Flachdecke mit der banalen 08/15-Beleuchtung im Inneren des Gebäudes. Sie wurde heimlich mit einem dritten Architekten geplant – und macht das beabsichtigte einmalige Raumerlebnis in der unteren Bahnhofshalle zunichte. Die innovative Außenbeleuchtung von dem Büro Angerer und Andres wurde durch eine Zirkusdekoration ersetzt. Diese Skandale hätten spätestens dann personelle Konsequenzen nahe gelegt, als der Bahnchef den Bahnhof öffentlich mit seinem eigenen Schlafzimmer verglich, in dem er beanspruchte, alleine die Auswahl der Tapeten bestimmen zu können. Allen Bemühungen meinerseits, Politiker in den höchsten Rängen zu bewegen, diesem Unwesen Einhalt zu gebieten, war kein Erfolg beschieden. Gerhard Schröder meinte: “Mensch, Gerkan, die Wurst ist lang genug; ich sehe sie jeden Tag.” Zwei Jahre später, bei seiner Kanzler-Abschiedsparty bekannte er: “Der Architekt hat Recht, die Wurst ist abgebissen – vorne und hinten.” […] Mein eindringlicher Appell an die Bundesregierung, Frau Merkel und die Öffentlichkeit lautet: Bitte sorgen Sie dafür, dass die schweren Verunstaltungen des Bahnhofs repariert werden. Die Teile des fehlenden Dachabschnittes sind bezahlt und eingelagert; sie können in wenigen Wochen montiert werden. Ebenso leicht kann die ordinäre Blechdecke gegen die vorgesehene Gewölbedecke mit einer faszinierenden Lichtinszenierung ausgetauscht werden.


Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Germany
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