
Bahn sperrt minutengenaue Auskunft für Kunden
Die Deutsche Bahn AG zieht Konsequenzen aus dem Informationsdisaster der vergangenen Woche. Während der Verspätungen rund um den Orkan Kyrill hatte es von vielen Seiten scharfe Kritik an der Informationspolitik der Bahn gegeben. Allerdings fallen die Konsequenzen anders aus, als es der aufgeklärte Fahrgast erwartet hätte. Statt die Informationen für die Reisenden zu verbessern, kommt es zu einer deutlichen Verschlechterung.
Reisenden Informations System
2003 stellte die Bahn ihr Reisenden Informations System (RIS) vor. Fahrgäste und Mitarbeiter der DB AG konnten zunächst an großen Bahnhöfen, später auch im Internet sich online über die Verkehrslage informieren. Für Fahrgäste der Bahn wurden die Verspätungen allerdings auf 5 Minuten abgerundet. Züge mit ein bis vier Minuten Verspätung wurden als "pünktlich" angezeigt, fünf bis neun Minuten als "5 Minuten" Verspätung. Nur bei großen Störungen, wie Streckensperrungen oder Unwettern wurden auch die Verspätungsgründe genannt.
Minutengenauer Service
Seit April 2006 konnten Fahrgäste auch auf die Profivariante des RIS zugreifen. Darin wurden Verspätungen minutengenau aufgeführt, zudem wurden die jeweiligen Gründe genannt, z.B. Störung am Triebfahrzeug, Oberleitungsschaden, Verzögerungen im Betriebsablauf, verspätete Übergabe aus dem Ausland, Personen im Gleis, polizeiliche Ermittlungen und anderes. Aber auch andere interessante Informationen, wie die abweichende Wagenreihung, ausgefallene Platzreservierungen oder fehlende Waggons wurden angezeigt. Daneben konnte man sich auch Verspätungen einzelner Züge anzeigen lassen und so feststellen wie es zu bestimmten Verspätungen gekommen ist und wo ein bestimmter Zug aktuell unterwegs war.
Bahn hält Kunden dumm
Alles Informationen, die das Reisen mit der Bahn leichter gemacht haben. Diese Form der Auskunft wurde von der Bahn offiziell nicht beworben, war aber im Internet bekannt und wurde auch auf vielen Webseiten beschrieben, so auch hier im Blog. Seit dem Fahrplanwechsel, am 10.12. 2006 war die Startseite des System mit einem Passwort geschützt, allerdings konnten über Lesezeichen noch alle darunter liegenden Seiten angesteuert werden, das System war also prinzipiell noch benutzbar. Seit Montag besteht auch diese Möglichkeit nicht mehr, das RIS ist nur noch mit Login und Passwort zu nutzen.
Hat die Bahn Angst vor informierten Kunden?
Warum die Bahn die genaue Auskunft sperrt bleibt unklar. Technische Gründe können es eigentlich nicht sein, offensichtlich greifen beide Systeme auf die gleiche Datenbank zu. Zu vermuten ist eher, dass die Bahn an mündigen Reisenden nicht interessiert ist und gegenüber den Kunden einen Informationsvorsprung halten möchte. Oder hat die Bahn Angst, dass die Kunden mit der genauen Auskunft nicht umgehen können?
Für die Kunden stellt sich die Verschlechterung der Auskunft als reine Desinformationskampagne dar, die einem Unternehmen, dass sich noch in staatlichen Besitz befindet und damit auch allen seinen Kunden gehört, nicht zusteht. Dabei hatte die Bahn doch nach den Verspätungen der vergangenen Woche noch versprochen, ihre Kunden besser zu informieren.
Eine Anfrage an die Pressestelle der Bahn zur Sperrung der minutengenauen Auskunft läuft, mal sehen was der Konzern dazu sagt.
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