Lobbycontrol enthüllt verdeckte PR-Aktivitäten der Bahn
Thursday, May 28th, 2009Nach Angaben des Kölner Vereins Lobbycontrol hat die Deutsche Bahn im Vorfeld des geplanten Börsengangs 2007 1,3 Millionen Euro für verdeckte PR-Maßnahmen ausgegeben. Beauftragt wurde die Lobby-Agentur "European Public Policy Advisers" (EPPA), die die PR-Aktivitäten durch berlinpolis e.V. ausführen ließ.
Laut Lobbycontrol griff Berlinpolis 2007 massiv in die Debatte um die Bahnprivatisierung ein. So mit Meinungsumfragen, die sich gegen den Streik der Lokführergewerkschaft GDL richteten. Die Aktivitäten von berlinpolis rund um die Bahn lassen sich zum Teil noch auf der Website Zukunft Mobil finden. Einige Dokumente sind nur noch über den Google-Cache verfügbar.
meinebahndeinebahn.de
Nach Angaben der Deutschen Bahn wird in dem Tätigkeitsbericht der EPPA auch die Website meinebahndeinebahn.de, die als angebliche private Iniative für eine Bahnprivatisierung auftrat. Die Website ist in der Zwischenzeit nicht mehr online aber über archive.org immer noch auffindbar. Der Betreiber der Website war für Nachfragen des Bahnblogs nicht zu erreichen. Unter der im Impressum angegebenen Nummer läuft noch immer der Anrufbeantworter der Initiative meinebahndeinebahn.de, nur der Wunsch nach einem Rückruf bleibt unbeantwortet.
Im Bahnblog kommentierte im Februar 2007 ein Daniel im Sinne der Bahnprivatisierung und bewarb die Seite meinebahndeinebahn.de.
Neuer Bahnchef distanziert sich von geheimer PR
Die Deutsche Bahn hat mittlerweile bestätigt, dass es sich bei den PR-Maßnahmen um so genannte "no badge", also verdeckte, Aktivitäten handelte. Der neue Bahnchef Rüdiger Grube distanzierte sich von diesen Maßnahmen: "Diese Form der PR-Maßnahmen lehne ich entschieden ab. Solche Aktivitäten sind mit dem Grundsatz eines transparenten und redlichen Dialogs mit der Öffentlichkeit in keiner Weise vereinbar. Ich werde umgehend im Unternehmen die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen, um auch hier den zugesagten Neubeginn in der Unternehmenskultur zu dokumentieren." (Quelle: deutschebahn.de). Mittlerweile hat er auch personelle Konsequenzen gezogen. Nach Angaben der Stuttgarter Zeitung entließ er den Generalbevollmächtigten für Kommunikation und Marketing, Ralf Klein-Bölting.
