Fernverkehr nur noch für Große
Friday, April 11th, 2008Am Mittwoch präsentierten im Bundestag. 17 Fachverbände ihre Anregungen und Wünsche zur geplanten Teilprivatisierung der Deutschen Bahn. Für besondere Aufregung sorgte dabei ein Gutachten der Unternehmensberatung KCW, das im Auftrag von mehreren Bundesländern und fünf Verkehrsverbünden entstanden ist. Danach drohen mit der Privatisierung der Bahn weitere, dramatische Kürzungen im Fernverkehr.
So sollen 16 Städten den Fernverkehrsanschluss verlieren:
- Flensburg
- Emden
- Brandenburg
- Potsdam
- Trier
- Konstanz
- Gießen
- Paderborn
- Cottbus
- Halle (Saale)
- Marburg
- Pforzheim
- Kempten
- Ravensburg
- Friedrichshafen
- Mülheim an der Ruhr
In weiteren Städten soll sich die Zahl der Fernverkehrsverbindungen deutlich reduzieren:
- Kiel
- Neumünster
- Rostock
- Stralsund
- Greifswald
- Schwerin
- Oldenburg
- Lüneburg
- Magdeburg
- Erfurt
- Eisenach
- Koblenz
- Wiesbaden
- Kaiserslautern
- Saarbrücken
- Rosenheim
KCW rechnet mit einer Umsetzung der Streichungen im Fernverkehr innerhalb von drei bis fünf Jahren nach dem Börsengang. Hinzu kämen deutliche jährliche Preiserhöhungen.
Der Steuerzahler würde ebenfalls deutlich belastet, anders als der Fernverkehr wird der Nah- und Regionalverkehr zum großen Teil durch die Regionalisierungsmittel des Bundes und durch Zuschüsse der Bundesländer bezahlt. Allein hierfür müssten nach dem Börsengang laut KCW 80 bis 150 Millionen Euro für aufgebracht werden.
Die KCW verweist in ihrem Gutachten auf die Mittelfristige Finanzplanung der Deutschen Bahn, nach dieser will der Konzern den Unternehmensgewinn in der Fernverkehrssparte von jetzt 110 Millionen Euro auf 570 Millionen Euro im Jahr 2011 steigern, dies geht nur mit den erwarteten Kürzungen der Leistungen im Fernverkehr.
Mit dem Szenario aus dem Gutachten würde die Bahn nur konsequent ihre bisherige Politik im Fernverkehrsbereich fortführen. Bereits seit dem Jahr 2000 verloren etliche deutsche Städte ihren Anschluss an Fernverkehrsnetz. Damals wurde durch das DB Sparprogramm MORA P bereits die Interregioverbindungen gestrichen, MORA P steht im Bahn-Jargon für Marktorientiertes Angebot im Personenverkehr.
So verloren im Jahr 2000 folgende Städte den Anschluss an den Fernverkehr:
- Wilhelmshaven
- Bremerhaven
- Neubrandenburg
- Salzgitter
- Krefeld
- Mönchengladbach
- Goslar/Bad Harzburg
- Halberstadt
- Dessau
- Leverkusen
- Siegen
- Offenbach
- Meiningen/Suhl
- Schweinfurt
- Gera
- Görlitz
- Bautzen
- Chemnitz
- Zwickau
- Plauen
- Hof
- Bayreuth
- Heilbronn
- Landshut
Zusätzlich verschlechterte sich das Angebot schon damals in diesen Städten:
- Lübeck
- Recklinghausen
- Gelsenkirchen
- Herne
- Frankfurt/Oder
- Mainz
- Regensburg
Die Quittung für Bahn ist schon damals entsprechend deutlich ausgefallen, seit dem Jahr 2000 sank die Zahl der Fernreisenden von 145 Millionen auf 119 Millionen.
Reaktion der Bahn
Die Reaktion der Bahn, bezeichnend dünn: "Als hanebüchene Stimmungsmache hat die Deutsche Bahn AG eine Veröffentlichung der Berliner Beratungsfirma KCW zurückgewiesen. […] Unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Arbeit werden hier unverantwortlich Ängste geschürt. Ohne jede Grundlage werden Reisende und politisch Verantwortliche verunsichert. Dass eine solche ‚Studie’ gerade jetzt erscheint, ist ein durchsichtiges Manöver. (Quelle: db.de)"
Ja klar …
