Update - Bahnstreik live in Fernsehen

Egal was man von der neuen Christiansen (Anne Will) und ihrer Sendung (Motto: Politisch denken, persönlich fragen) hält, im Moment ist es für alle Bahnfahrer interessant den Fernseher einzuschalten. Zu Gast sind GDL-Chef Manfred Schell, DB-Personalvorstand Margret Suckale, Transnet-Chef Norbert Hansen, der Mediator im Tarifstreit, Kurt Biedenkopf, und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser.

Kein neues Angebot der Bahn

Im Augenblick stellen die Gäste ihre Positionen vor, so weit nichts neues. Es wird kein neues Angebot der Bahn geben, Suckale: "Es liegt ein gutes Angebot vor". Die GDL behält sich weitere Streiks vor, die Bahn habe bis Montag Abend 24:00 Uhr Zeit ein neues Angebot vorzulegen. Gerade kommt ein Einspieler über die Situation der Lokführer, der viel Verständnis für deren Lohnforderung äußert.

Jetzt geht es konkret um die Gehälter und die Arbeitsbedingungen der Lokführer. Schell verkauft die Sache der Lokführer recht gut. Suckale kommt in Arge Bedrängnis, als Will sie auf die von Suckale als eher schlecht bezeichnete Ausbildung der Lokführer anspricht. Suckale streitet ab, dass sie dies so je geäußert hätte, ein Hauptschulabschluss sei doch 'ganz gut'.

Arme Bahnvorstände

Will spricht das Gehalt von Suckale an (140.000 Euro im Monat). Antwort Suckale, es sei doch lediglich ein Viertel davon garantiert, der Rest Leistungsabhängig, und Dank der Streiks von Schell und 'seinen' Lokführer im nächsten Jahr vielleicht deutlich weniger. Was sie verschweigt ist, dass es als Grundgehalt immer noch 35.000 Euro sind.

Kannegiesser redet das Streikrecht klein, und streitet mit militärischen Floskeln der GDL das Streikrecht ab. Streik sei als Instrument für den Fall der Lokführer nicht geeignet, da die Lokführer ja keinen Einigungswillen hätten.

Biedenkopf verweist auf Mediationserfolge

Das Temprament der beiden Kontrahenten Schell und Mehdorn, würde nach Aussage des Mediators Biedenkopf in bestimmten Situationen eine Verhandlung erschweren. Er verweist auf die Erfolge der Mediation, da ja jetzt schon über Gehälter geredet würde und die Grundforderung nach einem eigenen Tarifvertrag der GDL von allen Seiten (Bahn und Transnet) anerkannt werde. Biedenkopf spricht sich gegen ein Eingreifen der Politik aus. Er erinnert an das in der Weimarer Republik eingeführte Instrument der Zwangsschlichtung, das die Macht der Gewerkschaften eklatant eingeschränkt hätte und einen Generalstreik gegen Hitler verhindert hätte.

Die drei Möglichkeiten der GDL

Eskalation unbefristeter Streik, Zick-Zack-Kurs oder neue Verhandlungen seinen die Möglichkeiten der GDL so der Gast vom Sofa der Verhandlungsexperte Matthias Schranner. Der beiden Seiten Fehler in der Verhandlungsführung vorwirft. Die GDL sei zu emotional, die Bah hätte unterschätzt, das ihre unnachgibiege Haltung, die GDL zu einer eingeschworenen Gemeinschaft gemacht hätte.

Schell verweist auf den besonderen Status der Lokführer und macht sich für eine Leistungsbezogene Bezahlung innerhalb des Konzerns stark. Eine Haltung die vom zweiten Sofa-Gast, dem Arzt Olaf Guckelberger prinzipiell unterstützt wird. Er erklärt die unterschiedlichen Bedürfnisse von Ärzten, Krankenschwestern und Verwaltungsangestellten und sieht ähnliches bei der Bahn und den Lokführern.

Kannegiesser singt das Lied der deutschen Arbeitgeber, die an einem einheitlichen Tarifvertrag innerhalb eines Unternehmens interessiert sind. Er spricht sich weiter gegen die Spartentarifverträge aus. Die Bahn als Dienstleister und ihre Privatisierung erfordere in der jetzigen besonderen Umbruchsituation eine Höchstmaß an Verlässlichkeit, die nur mit einen Tarifvertrag innerhalb des Unternehmens gewährleistet werden könnte.

Die Sendung endet mit einem kleinen Schlagabtausch zwischen Suckale und Schell. Suckale: "Herr Schell kommen sie, wir (der Bahnvorstand) sind morgen da." "Frau Suckale ihre Spontanität verwirrt mich, dann sitzen sie morgen da und wir reden dann wieder über die 4,5 Prozent."

Schell Sieger nach Punkten

Unterm Strich geht die GDL und Manfred Schell als Sieger nach Punkten aus der Sendung. Er vertrat die Sache der Lokführer recht passabel. Suckale machte einen angeschlagenen Eindruck und sah in der Frage der eigenen Bezahlung und der Bildungsabschlüsse der Lokführer nicht gut aus. Transnet-Chef Hansen blieb insgesamt recht blass, Kannegiesser hatte nicht essentielles zum Verlauf der Sendung beizutragen. Biedenkopf überraschte mit einer gewerkschaftsfreundlichen Haltung und verwies auf die Erfolge seiner Moderationstätigkeit.

Zitate:

  • "Ich red doch gar nicht mit ihnen, ich red mit mir selbst." (Schell zu Hansen)
  • "Das ist doch so, als wenn sie Artillerie einsetzen, wo ein Florett reicht" (Kannegiesser zum Streikrecht kleiner Gruppen)
  • "Herr Schell kommen sie, am besten mit Herrn Hansen." (Suckale über Verhandlungsbereitschaft des Bahnvorstandes)
  • "Ich hab ja nur noch Freunde hier." (Schell)
  • "Solidarisch weiter auf die Straße gehen." (Guckelberger zu weiteren Streiks der GDL)

Die Sendung kann man beim Deutschlandradio als Livestream verfolgen.

Leave a Reply


Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Germany
Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Germany