Schell in Kur - jetzt ruft Weselsky zum Streik

Wachwechsel in der GDL - während Manfred Schell in Kur ist, führt Claus Weselsky (rechts) die Streikgeschäfte der Lokführer (Foto: gdl.de)
Der Chef der Lokomotivführergewerkschaft Manfred Schell ist in seine (mehrfach verschobene) Kur aufgebrochen, jetzt hält GDL-Vize Claus Weselsky das Zepter fest in der Hand. Der als Hardliner beschriebene Gewerkschafter hat heute Nachmittag die Streikpläne der GDL erläutert.
Streiks in Nahverkehr
Danach soll am Donnerstag der komplette Nah- und Regionalverkehr zwischen 2 und 11 Uhr bestreikt werden. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Gewerkschaft mit dieser Strategie erfolgreich den Verkehr massiv behindert. Grund für den Streik ist das Angebot der Bahn, dass der GDL als nicht ausreichend erscheint. "Wir haben keine substanziellen Verbesserungen im Vergleich zu den vorherigen Angeboten finden können." So GDL-Vize Weselsky nach dem intensiven Studium des 250-Seiten Werkes.
Die Bahn bietet eine teilweise Bezahlung der 2007 schon geleisteten Überstunden, sowie eine kombinierte Lohn- und Arbeitszeiterhöhung. Dabei soll die Wochenarbeitszeit um zwei auf 43
Stunden steigen, die Bezüge der Lokführer sollen sich um zehn Prozent steigern.
Scharfe Kritik an GDL
Scharfe Kritik kommt von Seiten der Bahn "Es herrscht offenbar Chaos bei der GDL-Führung. Das zeigt sich am heillosen Durcheinander in den Aussagen der Funktionäre. Ohne den Vorsitzenden Schell taumelt die GDL führungslos in einen völlig unnötigen und womöglich mehrtägigen Streik", sagte deren Personalvorstand Margret Suckale heute in Berlin. Analog zum vergangenen Freitag wird es keinen Notfallfahrplan der Bahn geben. Statt dessen will der Konzern flexibel auf die Streiks reagieren und so viele Nahverkehrszüge wie möglich fahren lassen.
GDL legt Berufung ein
Die Gewerkschaft hatte bereits gestern beim Chemnitzer Arbeitsgericht Berufung gegen die Einstweiligen Verfügungen eingelegt, die den Lokführern einen Arbeitskampf im Güter- und Fernverkehr verbieten. "Wir erhoffen uns mit dem Widerspruch eine Ausdehnung unserer Streikmöglichkeiten auch auf den Fern- und Güterverkehr", so Weselsky.
Weitere Streiks geplant
Sollte die Bahn kein besseres Angebot vorlegen, will die GDL auch am Freitag und von Montag bis Mittwoch in den Ausstand treten. Auf die Kunden im Nahverkehr kommen also noch harte Zeiten zu.
Weitere Infos zum Streiks
Das Bahnblog erklärt, wie sich Kunden am besten über die Zugausfälle informieren und welche Rechte die Kunden im Streikfall haben: Was tun bei Streik

October 19th, 2007 at 10:22:16
Die GDL soll mal wieder endlich die Interessen der Lokführer vertreten und nicht Angst um Ihre Einnahmen/Jobs haben. Die Bahn hat ein Superangebot gemacht, das einfach abgeschmettert wird, weil Sie unbedingt Ihre Jobs behalten wollen. NICHTS ANDERES.
Was haben die denn die ganzen Jahre gemacht? Ich weiß, warum die GDL nun auf einmal 31% Prozent mehr Gehalt verlangt. Die Führung hat sich in den letzten 10 Jahren im Geld gesonnt und nicht an Ihre Aufgabe gedacht.
Nun da die anderen Gewerkschaften schon seit Jahresanfang mit der Bahn über eine neue Tarifstruktur verhandelt, die auch Lokführer besser entlohnen soll, will die GDL nun auf den letzten Drücker noch schnell zeigen, das Sie das auch können, bevor der arme kranke Herr Schell nächstes Jahr geht.
Aber das ist der falsche Weg! Wenn sie so weitermachen, werden die Lokführer in wenigen Jahren das ernten, was die GDL gesät hat.
Die Führung hat so Meilen von dem tatsächlichen Lokführer entfernt.
Übrigens: Man hört des Öfteren, das die Aufgabe soooo verantwortungsvoll ist und das Sie trotzdem weniger verdienen als LKW-Fahrer…
Wenn ein LKW-Fahrer einschläft, gibt es Tote. Wenn ein Lokführer einschläft und sein „ich bin wach knopf“ nicht drückt, bleibt der Zug automatisch stehen, das gleiche gilt für Ampeln/Warnsignale. Beim LKW gibts sofot Tote. Die GDL gibt dem automatisch/ferngesteuerten Zug weitere massive Vorteile. Da sieht man, wie weit sich die GDL vom Lokführer entfernt hat.