Thilo Sarrazin - der ärgste Feind Mehdorns?
Die Süddeutsche Zeitung porträtiert den Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), der als entschiedener Gegner der Privatisierung der Bahn nach dem bisherigen Modell gilt. Sarrazin kämpft mittlerweile für das Modell einer Volksaktie, bei dem keine Finanzinvestoren, sondern Kleinaktionäre in die Bahn einstiegen. Diese würden lediglich Vorzugsaktien ohne Stimmrecht erhalten, dafür aber eine Garantiedividende. Damit wäre die Bahn weiterhin im politischen Zugriff des Bundes und die negativen Auswirkungen des Börsengangs abgeschwächt.
Sarrazin selbst hat an der Feindschaft hartnäckig gearbeitet. Seit Monaten kämpft er mit allen Mitteln gegen einen Börsengang, bei dem die Bahn ihr Netz behielte - so wie es Bahnchef Hartmut Mehdorn will. Er gibt Interviews, schreibt Gastbeiträge, rechnet milliardenhohe Lasten vor. Neuerdings tritt er als Gutachter für die sogenannte "Volksaktie" auf, mit der die SPD-Linke dem Projekt eine neue Wendung geben soll - obwohl Thilo Sarrazin nun ganz bestimmt kein Linker ist. (Quelle: sueddeutsche.de)
Sarrazin selbst sieht das Modell einer Volksaktie zwar auch nur als zweite Wahl an, aber so sei der Verkauf von Bahnanteilen möglichst unschädlich. Der Finanzsenator sollte wissen wovon er spricht. Bis 2001 war er Mitglied im Vorstand der DB Netz AG. Aus dieser Zeit resultiert auch die intime Feindschaft zu Bahnchef Mehdorn.
Auch die Financial Times Deutschland berichtet über Sarrazin und seinen Kampf gegen die Bahnprivatisierung. Hier wird auch noch einmal auf dessen Zerwürfnis mit Bahnchef Mehdorn eingegangen. "Der in Gera geborene Sarrazin verließ das Staatsunternehmen, weil er mit Mehdorn nicht konnte. Sarrazin erklärt das Zerwürfnis so: 'Wir bekamen zusätzliches Geld vom Bund. Und es wurde von mir verlangt, das unwirtschaftlich rauszuhauen. Ich habe gesagt, das machen wir nicht, wir schreiben die Aufträge ordentlich aus.' " Eine Aussage, die kein gutes Licht auf die Gepflogenheiten im Transportkonzern wirft. Dem Kritiker ja auch schon vorgeworfen hatten, Bundeszuschüsse zur Pflege des Netzes nicht in Anspruch genommen zu haben, um im Fall einer Totalsanierung mehr Geld vom Bund zu erhalten.
