Alle Räder stehen still - wenn es die GDL denn will
Nach den gescheiterten Tarifgesprächen mit der Bahn will die GDL am Montag mit der Urabstimmung über einen Streik beginnen. Wenn in den darauffolgenden zehn Tagen mindestens 75 Prozent der GDL-Mitglieder für einen Streik stimmen, kann die Gewerkschaft für die Durchsetzung ihrer Ziele unbefristet streiken.
Streiks ab dem 6. August?
Wie die GDL gestern mitteilte kann es dann ab dem 6. August zu ersten Streiks bei der Deutschen Bahn kommen.Allerdings will sie die Passagiere immer mindestens 24 Stunden vorher über die Art und Umfang der Arbeitsniederlegungen informieren. Die Deutsche Bahn prüft unterdessen, ob sie juristisch gegen die Streiks vorgehen kann.
Gewerkschaft übernimmt Vorwurf der Bahn
Wie gereizt die Stimmung bei den gestrigen Verhandlungen gewesen sein muss, kann man den Äußerungen von GDL-Vorsitzendem Manfred Schell entnehmen. Während die Gewerkschaft bislang vor allem Änderungen bei den Arbeitszeitregelungen und eine deutliche Erhöhung der Einstiegsgehälter für Lokomotivführer und Zugbegleiter gefordert hatte, war nach den Verhandlungen von Lohnerhöhungen von mindestens 31 Prozent die Rede. Schuld daran, so Schell, sei die Bahn, die der GDL wochenlang diese falsche Forderung vorgeworfen hätte. "31 Prozent waren nie unsere Forderung", sagte Schell. Nun tue man der Bahn aber den Gefallen und fordere wirklich 31 Prozent.
Alle mischen sich ein
Die Haltung der GDL stößt in der Öffentlichkeit auf deutliche Kritik. Nicht nur die Bahngewerkschaft Transnet macht den Kollegen heftige Vorwürfe, auch mach Hinterbänkler aus den Reihen der Politik nutzt die Gelegenheit zur Profilierung. So der CSU-Abgeordnete und Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken. Der in der Berliner Zeitung sagte, dass Streiks nicht auf dem Rücken der Menschen stattfinden sollten, die sich das ganze Jahr auf ihren Urlaub gefreut hätten. Bei einem Streik in der Hauptferienzeit bestehe auch die Gefahr, dass der Marktanteil der Bahn weiter sinkt. Dieser habe sich von 1995 bis 2006 bereits von acht auf fünf Prozent reduziert. Womit Herr Hinsken seine Unkenntnis beweist. Nicht der erste echte Bahnstreik seit 15 Jahren, oder die Gewerkschaft GDL kann für den sinkenden Marktanteil der Bahn verantwortlich gemacht werden. Hier wird der Bahn die Quittung für mehr als 10 Jahre verfehlte Bahnpolitik und zu hohe Ticketpreise präsentiert.
