Offener Brief der GDL
Mit einem offenen Brief an Hartmut Mehdorn hat die Lokführergewerkschaft GDL am Dienstag auf die Anzeigenkampagne der Bahn geantwortet. Das Bahnblog dokumentiert ihn:
Herrn
Hartmut Mehdorn
Vorstandsvorsitzender der
Deutsche Bahn AG
Potsdamer Platz 2
10785 BerlinOffener Brief des Fahrpersonals der DB
Sehr geehrter Herr Mehdorn,
gestatten Sie uns ein Wort zur aktuellen Tarifrunde, in der Sie gegen uns alle Register ziehen. Wir werden wegen Streikmaßnahmen unter Druck gesetzt, abgemahnt, gekündigt und unter Missbrauch von Notfallverfügungen zur Weiterfahrt gezwungen. Über die Medien machen Sie gegen unsere Arbeitskämpfe Stimmung und überschreiten die Grenzen des selbst in einem Tarifkonflikt noch Entschuldbaren. Unsere Gewerkschaft GDL wird mit spitzfindigen Klagen überhäuft, während Sie sich mit anderen Bahngewerkschaften gegen uns verschwören. Wir sind empört, vor allem, weil Sie mit verbissener Härte, mit zweierlei Maß erbarmungslos gegen Ihre eigenen Mitarbeiter vorgehen und die Beschäftigtengruppen zu spalten versuchen.
Ihrer Auffassung nach verhalten wir uns terrorisierend, erpresserisch und unsolidarisch. Unsere Forderungen seien unverschämt, absurd, größenwahnsinnig und gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Sie kriminalisieren, emotionalisieren und agitieren ganz ungehemmt! Nicht nur vor Beginn dieser Verhandlungsrunde haben Sie sich konsequent und stur gegen unsere Forderungen verschlossen. Gleichzeitig werden Sie nicht müde, der Öffentlichkeit Verhandlungsbereitschaft zu suggeriren.
Her Mehdorn, beenden Sie Ihr eigennütziges Spiel und verhandlen Sie mit der GDL - in Ihrem und unserem Interesse. Davon auszugehen, dass sich Ihr kategorsches Nein zu den Forderungen der GDL duchsetzen wird, weil Ihre Geschichtsbücher schon anders geschrieben sind, zeugt von Ignoranz. Den Tarifstreit vor den Gerichten auszutragen, ist ein Ausweichen vor dem Problem. Wir wollen über unsere Foredrungen und den FPTV verhandeln, nicht streiken. Schon gar nicht wollen wir die Reisenden behindern. Sie lassen uns aber keine andere Wahl.
Bereits 2002 versuchten Sie mit den Ergänzungs-Tarifverträgen die Eisenbahner zu soalten. Im Jahr 2003 waren wir tarifpolitisch da, wo wir jetzt wieder sind. Sie haben damals unsere berechtigten Warnstreiks mit einer einstweiligen Verfügung gestoppt, die - genau wie dieses Mal - gerichtlich aufgehoben wurde. In der Schlichtung erkannten Sie die GDL als kompeten Ansprechpartner für die Lokführer an, doch es folgtern keine Taten. So verschwand beispielsweise der von der GDL vorgelegt Entwurf eines Qualifizierungs-Tarifvertrags in den Schubladen der Bahn.
Ihre Versäumnisse rächen sich jetzt! Wir lassen uns nicht länger hinhalten uns abspeisen. Sie nehmen immer mehr weg und wir sind fest entschlossen, die Wende herbeizuführen. Wenn Sie unsere berechtigten Interessen und Forderungen nicht endlich angemessen würdigen und aufgreifen, erzwingen wir unsere Verhandlungen eben mit dem Mittel, das uns verfassungsrechtlich eingeräumt ist. Wir vertrauen Ihren Lippenbekenntnissen nicht mehr. Wir wollen Taten sehen!!!
Denn:
Keine Macht der Welt kann eine Idee aufhalten, deren Zeit gekommen ist. (Victor Hugo)
Hochachtungsvoll
Ihr Fahrpersonal
(vertreten durch den GDL-Hauptvorstand)(Quelle: PDF auf gdl.de)

July 19th, 2007 at 14:32:13
Danke liebes Bahnblog, dass sie diese unmäßigen Forderungen der Spaltergewerkschaft GDLÖ dokumentieren, allein der Duktus macht deutlich, mit wem wir es hier zu tun haben. Einer kleinen Minderheit, die uns Bahnkunden terrorisiert. In diesem Falle ist nämlich der allseits gescholtene Bahnchef …
July 19th, 2007 at 15:29:54
[…] und blanker Stimmungsmache zufrieden geben wollen, mag als Einstiegslektüre der gestrige offene Brief der GDL an Bahnchef Hartmut Mehdorn (pdf) […]
July 19th, 2007 at 16:46:23
Na Hansestadt - ganz schön aufgeregt gewesen als Du kommentiert hast, lass mich da mal einzelne Punkte klar stellen: nicht die Höhe der Forderung ist das, sondern die schlechte Grundvergütung der Bahn - außerdem hat sich die Arbeitsregelung für uns Lokführer in den letzten Jahren deutlich verschlechert, ohne dass unsere Gewerkschaften, da was gegen getan hätten / tun konnten - meine Gewerkschaft die GDL hat da zu Recht einen gewissen Nachholbedarf gesehen - ich stimme Dir zu , in Bezug auf die Wortwahl bin ich ebenfalls unzufrieden, aber den Forerungen ist doch zuzustimmen, übrigens ist das Streikrecht ein wichtiges grundgesetzlich verbrieftes Recht, dass man auch nützen können muss, ohne gleich als Volksverräter oder Terrorist beschimpft zuwerden.
October 6th, 2007 at 06:23:24
Lustig wie Schell der sein eigenes Lobby-Süppchen kochen will anderen "Spaltung der Beschäftigten" vorwirft…
Ich will gar nicht um konkrete Zahlen streiten - wenn die Vertreter der Arbeitnehmer (aber bitte aller und keine Lobby derer die meinen am langen Hebel zu sitzen) befinden das Lokführer zu kurz kommen , kann das leicht durch Korrekturen der Vergütungsgruppen/Zuschläge im einmaligen Vorgang , ohne ein ständiges Extra-Süppchen der GDL, erfolgen!
Schell macht nach dem Motto einmal erpresst - immer erpressbar reine Lobby-Politik. Die DB muss da ja gegenhalten.
Außerdem : wenn die "armen" Lokführer wirklich 30% unter dem zumutbaren rangieren , WAS hat dann Schell die letzten Jahre gemacht außer seinen Ferrari in die Leitplanke zu setzen…?
January 11th, 2008 at 10:11:11
Liebe GDL, lieber Manfred Schell,
Wären Sie bitte so freundlich und ersparen mir und dem Rest dieses schönen Landes weitere Streiks?
Ich kann es einfach nicht mehr höhren: "Das Angebot, das uns die DB heute vorgelegt hat, reicht nicht aus. Ein Scheitern der Tarifverhandlungen kann ich jetzt nicht mehr ausschließen" … die weitaus größte Zahl der deutschen Arbeitnehmer wären FROH, Sie könnten bei einem Arbeitgeber arbeiten der sich so von einer kleinen Zahl von Mitarbeitern zu derartigen Zugeständnissen hinreißen lässt. Aber man kann den Bogen natürlich auch überspannen und den Hals nicht voll kriegen.
Ich bin es leid, das ach so schwere Schicksal von Lokführern ständig vor die Nase gehalten zu bekommen. Ich Frage mich, warum um Gottes Willen sind Sie den Lokführer geworden, wenn die Arbeitsbedingungen so schrecklich ist und so angeblich so schlecht bezahlt werden? Warum empfehlen Sie Ihren Gewerkschaftmitgliedern keinen Französisch-Kurs und lassen ein paar Hundert bei der SBB oder bei der SNCF anheuern. Das wäre wesentlich ehrlicher und konsequenter, als das ganze Land mit dem persönlichen Kleinkrieg zwischen Herrn schell und Herrn Mehdorn zu nerven. Spätestens dann würde die Bahn aus wirklich freien Stücken die Gehaltsgefüge anpassen - aber Sie wollen ja alles auf einmal und dies unter der ständigen Erpressung mit unbefristeten Streiks.
Nehmen Sie sich ein Herz und zeigen Sie sich kompromissbereit - nur so kann es weitergehen.
Mit freundlichen Grüßen,
Hugo Habicht.