Archive for May, 2007

Bahn will Kunden bespitzeln

Thursday, May 31st, 2007

Zum G8-Gipfel zeigt sich die Deutsche Bahn als besonders flexibler Dienstleister. So wird nicht nur das Angebot an Zügen deutlich ausgebaut …

Nach Bestellung durch das Land Mecklenburg–Vorpommern hat DB Regio das Zugangebot anlässlich der Veranstaltungen rund um den G8-Gipfel erhöht. In der Zeit vom 1. bis 9. Juni wird ein größeres Aufkommen von Reisenden erwartet, so daß umfangreiche Verstärkungen der Züge und dichtere Fahrplantakte angeboten werden. (Quelle: db.de)

…, sondern auch gleich den Reisenden hinterher gespitzelt.

Wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe unter der Überschrift 'Stille Kontrollen im Zug' berichtet, sind die Zugbegleiter in Fernzügen angewiesen worden, potentielle Demonstrantengruppen zu melden. Dabei zitiert sie aus der Anweisung:

"Da die globalisierungskritische Szene nicht unbedingt als solche zu identifizieren ist", sei "anlassbezogen eine Vormeldung von größeren Reisegruppen (z.B. in Richtung Rostock) an interne Stellen vorzunehmen. […] Möglichem Gefahrenpotential" sei durch "polizeiliche bzw. betriebliche Maßnahmen frühzeitig und konsequent entgegenzuwirken." (Quelle: Süddeutsche 31.05.2007, nicht online verfügbar)

Indien - Passagiere schieben Zug an

Thursday, May 24th, 2007

Bahnfahren in Indien ist immer ein Abenteuer, aber was ich gestern von einem Freund aus Delhi erfahren habe ist auch für indische Verhältnisse ungewöhnlich.

Züge in Indien sind 'etwas' länger
Züge in Indien können mehr als einen Kilometer lang sein …

Durch eine Notbremsung ist ein Zug im Bundesstaat Bihar in einem stromlosen Abschnitt der Oberleitung zum Stehen gekommen. Statt den Ärger der Passagiere durch (vermutlich stundenlanges) Warten auf eine Diesellok zu provozieren, wurden die Reisenden gebeten den Zug ein Stück nach vorne zu schieben.

Züge in Indien sind 'etwas' länger
… hier ein Fernreisezug im Bahnhof von Ernakulam im Bundesstaat Kerala

In einer halben Stunde harter Arbeit ist es gelungen den Zug etwa vier Meter zu bewegen, so dass ein stromführender Abschnitt der Oberleitung erreicht wurde und der Stromabnehmer seinem Namen wieder alle Ehre machen konnte. Den indischen Zugreisenden gebührt unser aller Respekt, denn wer bei Reiszügen an europäische Zuglängen denkt liegt etwas daneben, indische Fernreise sind gerne etwas länger.

Schranken wieder offen

Thursday, May 17th, 2007

In der (Bonner) Schrankensache haben sich die Deutsche Bahn AG und das Eisenbahn-Bundesamt geeinigt. Wie die Bahn in einer Pressemitteilung mitteilt, sind die zusätzlichen Sicherrungsmaßnahmen sind aufgehoben worden:

Die zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen an rund 200 Bahnübergängen, die das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) der Deutschen Bahn AG auferlegt hatte, sind nicht weiter erforderlich. Das EBA konnte sich damit nach Einschaltung unabhängiger Gutachter der Argumentation der Deutschen Bahn anschließen. Die Gutachter haben die Gewährleistung der Sicherheit an Bahnübergängen zweifelsfrei bestätigt. (Quelle: db.de)

Dauerhafte Schranken-Probleme

Tuesday, May 15th, 2007

Bahnübergang in Bonn
Sicherheit mit Plastikband - Girlanden sichern einen Bahnübergang in Bonn

Fast 200 Bahnübergänge der Deutschen Bahn müssen geschlossen oder besonders überwacht werden. Bei den Übergängen, alle mit der Technik eines bestimmten Herstellers ausgestattet, kann es zu Sicherheitsproblemen kommen. So können sich die Schranken in bestimmten Fällen vorzeitig öffnen, obwohl die Züge den Übergang noch nicht vollständig passiert haben.

Die Rheinische Post berichtet in ihrer Online-Ausgabe über die Reaktion der Bahn. Besonders interessant, die Aussage von Bahnsprecherin Scharl, dass die Bahn jetzt "sehr zügig" ermittele, wo sich die betroffenen Bahnübergänge befinden.

Die Bahn hat gegenüber den Maßnahmen des Eisenbahn-Bundesamtes, die Bahnübergange zu schließen oder dauerhaft manuell zu sichern, Widerspruch eingelegt. Die Experten der Bahn kamen zu dem Schluss, dass sich auch mit weniger drastischen Maßnahmen die Gefahr bannen lasse. Es reiche aus, wenn die Fahrdienstleiter die Schranken elektronisch verriegelten.

In der Süddeutschen Zeitung habe ich dazu den erhellenden Leserkommentar eines Fahrdienstleiters (FD) gefunden:

Was für Schwachsinnsexperten!
Die meisten übergänge kann der Fahrdienstleiter gar nicht sperren, da sie vollautomatisch resp. mit Wirksamkeitschaltung funktionnieren.(d.h. eine bestimmte Zugfahrt muss eingestellt sein) Solche übergänge haben keine Sperre die der FD bedienen kann. (bin selber FD)
Sperren heisst in diesem Fall Dauersperre, das heisst der Bahnübergang wird geschlossen, dann erst die Zugfahrt gestellt und erst geöffnet wenn der Fahrdienstleiter sicher ist, dass der Zug vorbei ist, je nach Strecke kann das eine laaaaaange Zeit sein, eine halbe Stunde oder mehr im ungünstigsten Fall.
Mit der zunehmenden Privatisierung ist das kein Zufall. Solche vorzeitigen öffnungen können z.B. auch passieren wenn überlange Waggons im Zug sind, mit einem Achsabstand der grösser ist als die Schrankenanlage erwartet, diese glaubt dann der Zug sei schon vorbei. Wenn solche Waggons unangemeldet in einen Zug geraten sind da zuviele Stellen abgebaut wurden die das verhindern sollten, kommen solche Sachen nun mal vor.

Mal sehen was da noch kommt. Während in Bonn weiterhin Girlanden zum Einsatz kommen, wurden in Emmerich fünf von dem betroffenen Hersteller ausgerüstete Übergänge geschlossen.

Schranken im Handbetrieb

Monday, May 14th, 2007

Am Donnerstag öffnete sich eine Schranke in Bonn Wasserland noch während der Durchfahrt eines Güterzugs. Schon am Freitag ordnete das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) (Sitz übrigens auch in Bonn), dass alle Bahnübergänge des gleichen Typs entweder durch zusätzliche Streckenposten gesichert oder dauerhaft geschlossen werden müssen. Bundesweit sind fast 200 Bahnübergänge betroffen.

Bahnübergang in Bonn
Bahnübergang Weberstraße in Bonn

In Bonn entschied man sich ab Freitag für die erste Lösung. Die Bahnübergänge werden durch Streckenposten mit einer rot-weißen Plastikgirlande gesichert und die Schranken bis auf weiteres per Hand bedient.

Bahnübergang in Bonn
Streckenposten sichern den Bahnübergang per Girlande

Bei der dichten Zugfolge auf der Strecke zwischen Bonn und Koblenz können Probleme da nicht ausbleiben. Für die Anwohner kommt es zu längeren Wartezeiten an geschlossenen Schranken. Für die Bahnfahrer ist es ein wenig schlimmer. Der Nahverkehr zwischen Bonn Hauptbahnhof und Bonn Mehlem ist stark ausgedünnt. Die Züge aus Ahrweiler enden bis auf weiteres in Bonn-Mehlem, die Regionalzüge aus Wuppertal enden in Bonn Hauptbahnhof. Auch in Fernverkehr kommt es aufgrund der Störung zu leichten Verspätungen.

Bahncard kündigen leicht gemacht - Update

Saturday, May 5th, 2007

Seit einiger Zeit gibt es die BahnCard nur noch im Abo. Das ist praktisch für alle, die regelmäßig mit der Bahn fahren. Sie müssen sich um nichts mehr kümmern. Die neue BahnCard kommt direkt per Post in Haus und gilt nahtlos weiter.

Alle Kunden die nicht regelmäßig Bahn fahren können durch das Abo Geld verlieren. Eine Basis-BahnCard 50, 2.Klasse, verliert rechnerisch jeden Tag rund 55 Cent an Wert. Wer nun einige Woche nach Ablauf der alten Karte nicht verreist kann richtig Geld verlieren. In einem Monat summiert sich der Verlust schon auf fast 20 Euro.

Hier kann eine rechtzeitige Kündigung der alten Karte und eine Neubeantragung zur ersten Reise danach Geld sparen. Um aus dem Abo raus zu kommen, muss spätestens sechs Wochen vor Ablauf der alten Karte gekündigt werden.

Neue Adresse

Durch den Wechsel beim Dienstleister für die BahnCard-Betreuung hat sich auch die Adresse geändert, an die Kündigungen des BahnCard-Abos geschickt werden müssen. Die Kündigung muss die 16-stellige BahnCard-Nummer enthalten.

Entweder per Fax an:

Bahncard-Service
60643 Frankfurt am Main
Fax 01805/121998

oder per E-Mail an:

bahncard-service@bahn.de

Für weitere Fragen steht der BahnCard-Service unter 01805/340035 (14 ct./Min.) von Montag bis Freitag 7.00 bis 21.00 Uhr bereit.

Probleme mit der BahnCard

Saturday, May 5th, 2007

Langes Warten auf die BahnCard  (Foto: DB AG/OgilvyOne)
Langes Warten auf die Karte (Foto: DB AG/OgilvyOne)

Bei der Bahn hat der Dienstleister für die Betreuung der BahnCard gewechselt. Das BahnCard-Geschäft wurde bis zum 1.3.2007 zwölf Jahre lang durch das Bertelsmann Tochterunternehmen Arvato im niedersächsischen Schortens abgewickelt. Seit dem 1. März 2007 hat das bahneigene Serviceunternehmen DB Dialog dieses Geschäft übernommen. Damit ist erstmals eine Bahn-Tochter Bahn seit der Einführung der BahnCard im Jahr 1992 für das komplette BahnCard-Geschäft und die Betreuung der BahnCard-Kunden zuständig.

Lange Wartezeit

Bei der Übernahme der Dienstleistung scheint es meiner Meinung nach, zu einigen Problemen gekommen zu sein. Ich warte mittlerweile seit vier Wochen auf den Ersatz meiner gestohlenen Bahncard, außer einer vorläufigen BahnCard (interessanter Weise genau bis zum letzen Tag meiner normalen BahnCard gültig), die ich selbst am Fahrkartenautomat ausdrucken konnte, ist noch kein Ersatz eingetroffen. Von der Hotline wurde mir innerhalb einer Woche Ersatz versprochen.

Ärgerlich daran ist, dass mit der vorläufigen BahnCard keine Punkte für die Kundenbindungsprogramme der Bahn (bahn.comfort und bahn.bonus) gesammelt werden und dass für die Verifizierung der Online-Ticket die Kreditkarte benutzt werden muss.

Mit meinen Problem bin ich nicht allein. Zugbegleiter und Mitarbeiter am Fahrkartenschalter bestätigten unabhängig voneinander, dass es zur Zeit Probleme mit der Zustellung neuer BahnCards gebe. Auch einige Leser des Bahnblogs warten immer noch auf ihr Karten.

Zitat des Tages

Thursday, May 3rd, 2007

"Bevor der Bund seine Infrastruktur verschenkt, ist der Status Quo besser."

CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer in der Düsseldorfer "Rheinischen Post"

Für Raucher ist der Zug abgefahren

Thursday, May 3rd, 2007

Zippy muss nun gehen
Schluss mit Lustig: Ab dem 1.9. sind Raucher bei der Bahn unerwünscht

Ab 1. September können Raucher nur noch volle Züge genießen. Bahnchef Mehdorn verkündete ein komplettes Rauchverbot in allen Zügen. Die nach seinen Worten "einfache" Regel tritt im Nahverkehr am 1. Juli und im Fernverkehr ab 1. September in Kraft.

Unklar ist, was mit den Raucherecken in Bahnhöfen passiert, die Bahn verwies auf die allgemeinen gesetzlichen Regeln, die wahrscheinlich bis zum 1. September in Kraft treten. Je nach Gesetzeslage könnte dann auch das Aus für die letzten Raucherrefugien bei der Bahn drohen.

Bereits ab Oktober 2006 hatte die Bahn das Rauchen in allen Bordbistros verboten. Das Personal der Bistros berichtet von einem deutlichen Kundenrückgang als Folge des Verbots. Mal sehen ob die Raucher demnächst komplett von der Schiene auf die Straße umsteigen.


Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Germany
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