Börsengang vor dem Aus?
Ist der Börsengang der Deutschen Bahn aufs Abstellgleis rangiert worden? Immer mehr Presseberichte lassen dies vermuten. In einem Schreiben an Bundeskanzlerin Merkel, dass der Nachrichtenagentur Reuters zugespielt wurde, machte Mehdorn deutlich, wer für das Scheitern des Börsengang verantwortlich sei:
"Das ist möglicherweise das Wahrscheinlichste", sagte Mehdorn am Donnerstag in Berlin. Einen Rücktritt lehnte Mehdorn, der den Börsengang seit Jahren forciert, ab. "Ich bin kein Handtuch-Werfer", sagte der Bahn-Chef. Mehdorn beteuert,er habe mit dem Börsengang keine persönlichen Ziele verfolgt. "Ich brauche kein Denkmal." Die Strategie des Konzerns werde bei einem Verzicht auf den Börsengang allerdings geändert. (Quelle: reuters.de)
Anlass für diese deutliche Äußerung dürften die gescheiterten Gespräche zwischen SPD und CDU sein. Beide Parteien konnten sich bislang nicht auf ein Szenario für den Börsengang einigen. Zuvor hatte schon Verkehrsminister Tiefensee (SPD) ein Scheitern der Börsenpläne nicht ausgeschlossen.
Auch die Gewerkschaft Transnet, die für den Fall einer Trennung von Bahn und Schienennetz mit flächendeckenden Streiks gedroht hatte könnte mit dieser Lösung leben. Sie siganlisierte Zustimmung für den 'Plan B', falls die Bahn mit den nötigen Mitteln ausgestattet werde.
Innerhalb der großen Koalition streiten die Parteien darüber, ob das Staatsunternehmen mit oder ohne Schienennetz privatisiert werden soll. Während Mehdorn wie Tiefensee und Teile der SPD die Bahn mit Schienennetz privatisieren wollen, ist die Union für eine Trennung dieses Bereichs vom Konzern. Ein neues Treffen von Regierungs- und Koalitionsexperten ist für den 8. November geplant.
Mehdorn fordert zwei Milliarden Euro zum Ausbau der Bahn
Falls die Bahn nicht an die Börse gehen sollte, verlangt Mehdorn zwei Milliarden Euro zum Aufbau einer europäischen ICE-Flotte, dabei verwies der bahnchef in dem Brief auf den härter werdenden Konkurrenzkampf.
Erste Alternativmodelle sprechen jetzt von einer Teilprivatisierung des Logistikunternehmens Schenker. Dessen Börsenwert wird Experten auf zirka 5 Milliarden Euro geschätzt. Ein Verkauf von 49 Prozent der Anteile könnte die benötigten zwei Millarden Euro in die Kassen der Bahn spülen.
