'Sackbahnhof Börsengang'
Im Manager Magazin findet sich ein interessanter Artikel zum geplanten Börsengang der Bahn. Der Autor Michael Machatschke
berichtet über die Rahmenbedindungen und kommt zu einem negativen Schluss. Der Gang zur Börse bringt der Bahn kaum Vorteile, dem Staat hingegen jede Menge Nachteile. Hier Ausschnitte aus dem Text:
Denn der avisierte Börsenerlös beim integrierten Modell hält sich in frappierend engen Grenzen. Bahn-Finanzchef Diethelm Sack (58) erklärte vor Bundestagsabgeordneten, eine erste Tranche von 25 bis 30 Prozent der Anteile werde zwischen zwei und vier Milliarden Euro einbringen. Konzernchef Mehdorn hantiert indes mit höheren Zahlen: Die halbe Bahn sei neun Milliarden Euro wert. Gemessen an der Substanz des Konzerns - 34.211 Kilometer Bahnstrecke, 5707 Bahnhöfe, 237 ICE, 9000 Nahverkehrszüge und vieles, vieles mehr - wirkt die Summe dennoch grotesk niedrig.
Der Investitions-Cut greift tief in alle Konzernsparten, besonders aber ins Netz. Im Planungspapier ist von einem "engen Finanzierungsrahmen" die Rede, weswegen Ausbauziele nicht erreicht würden. Damit nährt die Bahn die Befürchtungen, sie schludere bei ihren Aufgaben im Netz - zugunsten des Vorzugsprojekts Börsengang.
Um zu sparen, scheint dem Vorstand jedes Mittel recht. So erwägt er laut Mittelfristplanung allen Ernstes, aus Kostengründen ICE seltener in die große Überprüfung zu schicken. "Spreizung der Grenzwerte für Revisionsintervalle von 1,4 auf 1,65 Millionen Laufkilometer über alle ICE-Baureihen der ersten Bauserien", heißt es in dem Vorstandspapier. Dafür müssten "Komponenten von der Revision entkoppelt und gegebenenfalls betriebsnahe getauscht werden". Was allerdings "zu einer vergrößerten Komplexität der Überwachung und Steuerung innerhalb der Fernverkehrswerke" führe. Klingt nach einer unausgegorenen Idee.
Aufgedeckt hat sie der Bundesrechnungshof. Die Prüfer fanden heraus, dass die DB seit Jahren gegen Gesetze verstößt. […] Tatsächlich hat die Bahn zahlreiche Grundstücke und Gebäude wie den Frankfurter Hauptbahnhof nicht den Töchtern zugeschlagen, sondern der Holding. Ein doppelter Vorteil für den Konzern. Zum einen stehen die Infrastrukturtöchter ärmer da, als sie eigentlich sind, und können effektiver um staatliche Milliarden buhlen. Zum anderen erhält die Holding bei Verkäufen Spielgeld, das sie beliebig in andere Konzernteile verschieben kann.
