Skandal um Mehdorn und die 11.000 Kinder

Ein lange schwelender Streit um eine Ausstellung zum Schicksal von 11.000 französischen Kindern, die mit der Deutschen Reichsbahn in den Tod geschickt wurden, ist eskaliert. Nach Angaben des Magazins Der Spiegel ist es wischen dem Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Hartmut Mehdorn zu einem persönlichen Eklat gekommen. Tiefensee verließ eine gemeinsame Besprechung, als sich Mehdorn trotz intensiven Drängens weigerte, die deutschen Bahnhöfe für eine Gedenkenausstellung für internationalen Opfer der NS-Deportationsverbrechen zu öffnen.

Die Ausstellung von der französischen Opferorganisation "Fils et Filles des Déportés Juifs de France" (FFDJF/Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs) ist in den vergangenen Jahren in französischen Bahnhöfen gezeigt wurden. Bereits im Januar gab es zum Holocaustgedenktag in mehreren deutschen Städten Proteste gegen die Weigerung der DB AG die Ausstellung in den Bahnhöfen zu zeigen. Ursprünglich geplant war, die Ausstellung im Berliner Ministerium zu eröffnen und anschließend über eine begrenzte Zahl deutscher Bahnhöfe wandern zu lassen. Da Mehdorn seit Jahren kategorisch eine Erinnerung an die Beteiligung der Reichsbahn an der Deportation der Juden auf den Bahnhöfen der Deutschen Bahn verweigert, trat der Bahnchef in Offensive.

In einem Interview mit der Zeitung die Welt griff Mehdorn die Ausstellungsinitiatoren scharf und persönlich an:

Bei der Aufarbeitung der Vergangenheit sind wir sehr aktiv, dennoch gibt es eine Diskussion, weil Frau Klarsfeld mit dem Ziel, ihre Ausstellung auf unseren Bahnhöfen zu zeigen, bei uns angefragt hat. Wir haben ihr ein Angebot gemacht. Weil wir ein eigenes Konzept haben, sind wir offenbar dafür sofort von Frau Klarsfeld angegriffen worden. Mein Eindruck ist, dass es da weniger um eine Ausstellung über deportierte Kinder geht, sondern um den Versuch einer Skandalisierung, obwohl es nichts zu skandalisieren gibt. […] Unsere Bahnhöfe sind voll, da gibt es Drängeleien, und eine ernste Ausstellung passt da nicht hin. Die Leute steigen in Eile ein, aus, um und sehen so nebenbei diese Bilder - das wäre ein Konzept nach der Methode "Shock and go".

Dabei zeigt die Ausstellung ganz bewusst keine Tote oder schockierende Dartsellungen, sondern ausschließlich Privatfotos der Opfer (Beispiel auf hagalil.com), lachende Kindergesichter, fröhliche Jugendliche.

Mehdorn verweist zur Rechtfertigung seiner Postion auf die Initiativen der Deutschen Bahn. So habe die Bahn in den Zwangsarbeiterfonds eingezahlt und eine Denkmal in Berlin finaziert, das so genannte 'Gleis 17' im Bahnhof Grunewald, vom die Berliner Juden abtransportiert wurden. Auch werde im Nürnberger Bahn-Museum der Holocaust behandelt.

Um so skandalöser erscheint die sture Weigerung des Bahnchefs, die Ausstellung zum Schicksal von 11.000 französischen Kindern in den Bahnhöfen zuzeigen, aber vielleicht könnten sich Bahnkunden beim shoppen oder warten auf den nächsten verspäteten Zug gestört fühlen.

Umfangreiche Hintergründe zur Deportation der Kinder finden sich auf den Seiten german-foreign-policy.com. Eine Fotodokumentation zum Mahnmal Gleis-17 hat der Fotograf Thomas Eilenberg online gestellt, auch die Deutschen Bahn hat Informationen zum Denkmal verfügbar gemacht.

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