Archive for October, 2006

Sonderangebote statt preiswerter Fahrkarten II

Monday, October 30th, 2006

Ab 1. November bietet die Bahn ein neues Sonderangebot auf der Strecke Hamburg - Berlin an. Für Preise ab 29 Euro können Reisende von der Alster an die Spree reisen. Das Angebot gilt vom 4. November bis zum 31. März 2007, auch Fahrten von und nach Wittenberge und Ludwigslust sind möglich.

Die Fahrkarte kostet auf www.bahn.de und an den DB Automaten 29 Euro. Für 34 Euro kann das Angebot in den DB Reisezentren, den DB-Agenturen oder telefonisch über den DB Reiseservice gebucht werden. Die Fahrkarten gelten für die Hin- und Rückfahrt innerhalb eines Monats für eine Person. Sie sind an einen bestimmten IC oder EC gebunden und erhältlich, so lange der Vorrat reicht. Die Vorkaufsfrist beträgt drei Tage.
Weitere Ermäßigungen wie BahnCard-Rabatt oder kostenlose Kindermitnahme sind ausgeschlossen, ebenso wie Umtausch oder Erstattung.

Kunden ohne Internet werden benachteiligt

Auch bei diesem Angebot diskriminiert die Bahn ihre Schalterkunden, Aufpreise sind hier mittlerweile an der Tagesordnung. Im nächsten Jahr verteuert sich beispielsweise eine Reservierung beim Schalterkauf auf 3,50 Euro, während die Automaten- oder Internetbestellung weiterhin bei 1,50 Euro liegt.

Sonderangebote statt preiswerter Fahrkarten

Wednesday, October 25th, 2006

Die Deutsche Bahn bleibt ihrem Konzept treu - treue Kunden werden mit steigenden Preisen gequält, neue Kunden mit Schnäppchen in die Züge gelockt.

Vom 4. November bis zum 9. Dezember bietet die Bahn ein neues Schnäppchen. Das Herbst-Spezial-Ticket kostet für Bahnfahrten innerhalb Deutschlands ab 29 Euro, nach Österreich, Tschechien, Dänemark, Luxemburg, Belgien, in die Schweiz und die Niederlande ab 39 Euro.

Insgesamt rund eine Million Fahrten, also 25.000 pro Tag, stehen zur Verfügung. Verkauft wird solange der Vorrat reicht. Für schwach ausgelastete Züge werden mehr Tickets angeboten als zu den Hauptreisezeiten, wie etwa am Freitag oder Sonntag. Das Angebot ist im Internet auf www.bahn.de und an den DB Automaten erhältlich. In den DB Reisezentren, den DB-Agenturen oder telefonisch über den DB Reise Service 11861 *) gibt es das Angebot gegen einen Aufpreis von fünf Euro.

Die Fahrkarten gelten für eine einfache Fahrt in der 2. Klasse, sind an einen bestimmten Zug gebunden und können bis drei Tage vor der Reise gebucht werden. Der Verkauf beginnt am 1. November. Wichtig für Freunde der Nachtzüge: Herbst-Spezial gilt mit einem Aufpreis auch für die Sitz-, Liege- oder Schlafwagen in den Zügen von DB Nachtzug und CityNightLine. Der Aufpreis für Ruhesessel im CityNightLine beträgt in Verbindung mit dem Herbst-Spezial vier Euro.

*) 3 ct. je Sek. – ab Weiterleitung zum DB Reise Service 39 ct. je angef. Min. (inkl. USt., aus dem Festnetz der Deutschen Telekom).
(Quelle: db.de)

So rechnet die Deutsche Bahn

Mal abgesehen von den üblichen Einschränkungen, wie Zugbindung und Kontingentierung, bleiben aber noch einige Fragen offen.

Die Bahn spricht von bis zu 1 Millionen Tickets, die sie an den 36 Tagen verkaufen möchten. Teilt man 1 Millionen durch 36 so erhält man nicht 25.000 Tickets pro Tag wie die Bahn, sondern 27.777,78. Aber wahrscheinlich rechnet die Bahn andersrum. Multipliziert man 25.000 Tickets mit den 36 Tagen, erhält man 900.000 Tickets. Was deutlich weniger sind, als die von der Bahn versprochenen 'rund eine Million Fahrten'. Weiterhin wird nicht klar, ob die 900.000 Tickets im Angebotszeitraum abgerufen werden können (unwahrscheinlich), oder ob an jedem Tag des Angebots maximal 25.000 Tickets zur Verfügung stehen (wahrscheinlich).

Teure Servicenummer

Eines sollte man aber auf gar keinen Fall tun, die Fahrkarten über die in der Pressemitteilung genannten Nummer bestellen. Bei Kosten von 3 Cent pro Sekunde für die DB Reise Service 11861 Nummer kommt man auf horrende 1,80 Euro mindestens 42 Cent pro Minute (bei Weiterleitung nach 1 Sekunde). Wer schon einmal mit der Bahn zu tun hatte kann sich vorstellen, dass eine Bestellung am Telefon nicht weniger als 3 bis 4 Minuten dauert. So kommt pro Bestellung ein schöner Betrag für die Bahn zustande. Die Kosten von 5,40 Euro bis 7,20 1,20 Euro bis 1,59 Euro trägt in jedem Fall der Kunde.

Na denn: gute Fahrt.

'Sackbahnhof Börsengang'

Wednesday, October 25th, 2006

Im Manager Magazin findet sich ein interessanter Artikel zum geplanten Börsengang der Bahn. Der Autor Michael Machatschke
berichtet über die Rahmenbedindungen und kommt zu einem negativen Schluss. Der Gang zur Börse bringt der Bahn kaum Vorteile, dem Staat hingegen jede Menge Nachteile. Hier Ausschnitte aus dem Text:

Denn der avisierte Börsenerlös beim integrierten Modell hält sich in frappierend engen Grenzen. Bahn-Finanzchef Diethelm Sack (58) erklärte vor Bundestagsabgeordneten, eine erste Tranche von 25 bis 30 Prozent der Anteile werde zwischen zwei und vier Milliarden Euro einbringen. Konzernchef Mehdorn hantiert indes mit höheren Zahlen: Die halbe Bahn sei neun Milliarden Euro wert. Gemessen an der Substanz des Konzerns - 34.211 Kilometer Bahnstrecke, 5707 Bahnhöfe, 237 ICE, 9000 Nahverkehrszüge und vieles, vieles mehr - wirkt die Summe dennoch grotesk niedrig.

Der Investitions-Cut greift tief in alle Konzernsparten, besonders aber ins Netz. Im Planungspapier ist von einem "engen Finanzierungsrahmen" die Rede, weswegen Ausbauziele nicht erreicht würden. Damit nährt die Bahn die Befürchtungen, sie schludere bei ihren Aufgaben im Netz - zugunsten des Vorzugsprojekts Börsengang.

Um zu sparen, scheint dem Vorstand jedes Mittel recht. So erwägt er laut Mittelfristplanung allen Ernstes, aus Kostengründen ICE seltener in die große Überprüfung zu schicken. "Spreizung der Grenzwerte für Revisionsintervalle von 1,4 auf 1,65 Millionen Laufkilometer über alle ICE-Baureihen der ersten Bauserien", heißt es in dem Vorstandspapier. Dafür müssten "Komponenten von der Revision entkoppelt und gegebenenfalls betriebsnahe getauscht werden". Was allerdings "zu einer vergrößerten Komplexität der Überwachung und Steuerung innerhalb der Fernverkehrswerke" führe. Klingt nach einer unausgegorenen Idee.

Aufgedeckt hat sie der Bundesrechnungshof. Die Prüfer fanden heraus, dass die DB seit Jahren gegen Gesetze verstößt. […] Tatsächlich hat die Bahn zahlreiche Grundstücke und Gebäude wie den Frankfurter Hauptbahnhof nicht den Töchtern zugeschlagen, sondern der Holding. Ein doppelter Vorteil für den Konzern. Zum einen stehen die Infrastrukturtöchter ärmer da, als sie eigentlich sind, und können effektiver um staatliche Milliarden buhlen. Zum anderen erhält die Holding bei Verkäufen Spielgeld, das sie beliebig in andere Konzernteile verschieben kann.

Skandal um Mehdorn und die 11.000 Kinder

Sunday, October 22nd, 2006

Ein lange schwelender Streit um eine Ausstellung zum Schicksal von 11.000 französischen Kindern, die mit der Deutschen Reichsbahn in den Tod geschickt wurden, ist eskaliert. Nach Angaben des Magazins Der Spiegel ist es wischen dem Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Hartmut Mehdorn zu einem persönlichen Eklat gekommen. Tiefensee verließ eine gemeinsame Besprechung, als sich Mehdorn trotz intensiven Drängens weigerte, die deutschen Bahnhöfe für eine Gedenkenausstellung für internationalen Opfer der NS-Deportationsverbrechen zu öffnen.

Die Ausstellung von der französischen Opferorganisation "Fils et Filles des Déportés Juifs de France" (FFDJF/Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs) ist in den vergangenen Jahren in französischen Bahnhöfen gezeigt wurden. Bereits im Januar gab es zum Holocaustgedenktag in mehreren deutschen Städten Proteste gegen die Weigerung der DB AG die Ausstellung in den Bahnhöfen zu zeigen. Ursprünglich geplant war, die Ausstellung im Berliner Ministerium zu eröffnen und anschließend über eine begrenzte Zahl deutscher Bahnhöfe wandern zu lassen. Da Mehdorn seit Jahren kategorisch eine Erinnerung an die Beteiligung der Reichsbahn an der Deportation der Juden auf den Bahnhöfen der Deutschen Bahn verweigert, trat der Bahnchef in Offensive.

In einem Interview mit der Zeitung die Welt griff Mehdorn die Ausstellungsinitiatoren scharf und persönlich an:

Bei der Aufarbeitung der Vergangenheit sind wir sehr aktiv, dennoch gibt es eine Diskussion, weil Frau Klarsfeld mit dem Ziel, ihre Ausstellung auf unseren Bahnhöfen zu zeigen, bei uns angefragt hat. Wir haben ihr ein Angebot gemacht. Weil wir ein eigenes Konzept haben, sind wir offenbar dafür sofort von Frau Klarsfeld angegriffen worden. Mein Eindruck ist, dass es da weniger um eine Ausstellung über deportierte Kinder geht, sondern um den Versuch einer Skandalisierung, obwohl es nichts zu skandalisieren gibt. […] Unsere Bahnhöfe sind voll, da gibt es Drängeleien, und eine ernste Ausstellung passt da nicht hin. Die Leute steigen in Eile ein, aus, um und sehen so nebenbei diese Bilder - das wäre ein Konzept nach der Methode "Shock and go".

Dabei zeigt die Ausstellung ganz bewusst keine Tote oder schockierende Dartsellungen, sondern ausschließlich Privatfotos der Opfer (Beispiel auf hagalil.com), lachende Kindergesichter, fröhliche Jugendliche.

Mehdorn verweist zur Rechtfertigung seiner Postion auf die Initiativen der Deutschen Bahn. So habe die Bahn in den Zwangsarbeiterfonds eingezahlt und eine Denkmal in Berlin finaziert, das so genannte 'Gleis 17' im Bahnhof Grunewald, vom die Berliner Juden abtransportiert wurden. Auch werde im Nürnberger Bahn-Museum der Holocaust behandelt.

Um so skandalöser erscheint die sture Weigerung des Bahnchefs, die Ausstellung zum Schicksal von 11.000 französischen Kindern in den Bahnhöfen zuzeigen, aber vielleicht könnten sich Bahnkunden beim shoppen oder warten auf den nächsten verspäteten Zug gestört fühlen.

Umfangreiche Hintergründe zur Deportation der Kinder finden sich auf den Seiten german-foreign-policy.com. Eine Fotodokumentation zum Mahnmal Gleis-17 hat der Fotograf Thomas Eilenberg online gestellt, auch die Deutschen Bahn hat Informationen zum Denkmal verfügbar gemacht.

Technorati

Abgeordnete stellen Börsengang der Bahn in Frage

Friday, October 20th, 2006

Nachdem in den letzten Monaten ausschließlich über das Wie des Börsengangs gestritten wurde taucht nun immer öfter die Frage nach dem Ob auf. So bemängeln zahlreiche Parlamentarier der SPD quer durch die Bundestagsfraktion, von den Linken bis zum konservativen Seeheimer Kreis, das Vorgehen der Regierungskoalition. Bei dem offenen Fraktionsabend am Mittwoch hätten cirka 40 Abgeordnete gegen den Börsengang protestiert. Es gebe weder einen Beschluss des Bundestags, noch hätte die SPD sich auf einem Parteitag mit der Privatisierung beschäftigt. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehört auch der frühere Verkehrsminister Kurt Bodewig (SPD).

In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau widersprach Bundesverkehrsminister Tiefensee:

FR: Viele SPD-Abgeordnete stellen die Bahnprivatisierung grundsätzlich in Frage. Ist versäumt worden, das zu klären?
Tiefensee: Der Auftrag des Bundestages an die Bundesregierung ist klar und eindeutig: Wir sollen nicht das Ob einer weiteren Teilprivatisierung, sondern das Wie untersuchen. Die Bundesregierung pflegt sich an solch klare Absprachen zu halten. Im übrigen braucht die Deutsche Bahn eine genügende Kapitalausstattung. Dafür benötigt sie mehr Eigenmittel. Allerdings ist richtig: Dieses zusätzliche Eigenkapital könnte der Eigentümer grundsätzlich auch auf anderem Weg zuführen. (Quelle: fr-online.de)

Zitat des Tages

Thursday, October 19th, 2006

"Wir reden nur noch über das Wie, dabei ist noch nicht einmal über das Ob entschieden."
SPD-Bundestagsabgeordneter Herrmann Scheer gegenüber der Frankfurter Rundschau

Bewusstsein

Wednesday, October 18th, 2006

Nach einer Umfrage des Magazins Stern glauben 79% der Befragten, dass die Fahrkartenpreise wegen des Börsengangs erhöht werden. Nur eine Minderheit von 11% folgt der Argumentation der Bahn, gestiegene Energiepreise seien Schuld an den Preissteigerungen. 10% der Befragten hatten keine Meinung.

Terrorangst

Tuesday, October 17th, 2006

Offensichtlich gibt es noch andere Dinge als Preiserhöhungen vor denen Bahnkunden Angst haben. In einer aktuellen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach äußern mehr als 60 Prozent der Bundesbürger die Sorge, dass auch Deutschland zur Zielscheibe des internationalen Terrorismus werden könnte.

Gefühlte Unsicherheit

Explizit nach den potentiellen Gefahren des Bahnfahrens gefragt, glauben 69% der Befragten, dass eine verstärkte Videoüberwachung an Bahnhöfen zu mehr Sicherheit führen würde, nur 26% glauben dies nicht. Knapp gescheitert hingegen die Idee, dass bewaffnete Zugbegleiter die Sicherheit erhöhen würden. Nur 42% der Befragten befürworten diese Maßnahme, 51% lehnen sie ab.

Wissenschaftliche Zweifel an Videoüberwachung

Allerdings bezweifeln wissenschaftliche Untersuchungen den Sinn von Videoüberwachungen. Nach einer vom Institut für Kriminologie der University of Leicester durchgeführten Studie (PDF-Dokument) führt Videoüberwachung weder zu einem Rückgang der Kriminalität, noch schafft sie bei den Menschen ein größeres Gefühl von Sicherheit.

(Via netzpolitik.org)

Zitate des Tages

Monday, October 16th, 2006

"Ich bin fassungslos, die Kunden zahlen jedes Jahr höhere Preise, nur damit die Bahn-Chefs ein schönes Leben haben. Es hätte in den letzten Jahren gar keine Gehaltserhöhungen geben dürfen, denn die Leistung stimmt nicht."
Michael Gehrmann, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland

"Wenn es super läuft, kann man die Bezüge der Spitzenmanager erhöhen - aber es läuft nicht super. Die Züge sind nicht pünktlich, und die Preispolitik ist nicht ambitioniert. Man erhöht einfach dauernd die Tarife."
Karl-Peter Naumann, Vorsitzender Pro Bahn

Beide kommentieren die, von der Bild-Zeitung gemeldete, angebliche 400-prozentige Erhöhung der Vorstandsbezüge bei der Deutschen Bahn.

Runter mit der Mehrwertsteuer

Thursday, October 12th, 2006

Die Kritik der Politik an den Fahrpreiserhöhungen der Bahn ist aus Kundensicht doppelzüngig. Seit Jahren fordern Fahrgastverbände und Verbraucherschützer den reduzierten Mehrwertsteuersatz für den Schienenfernverkehr. Immer wieder gab es Überlegungen und Beteuerungen aus der Politik dies zu tun:

Es ist z. B. ökologisch und marktwirtschaftlich widersinnig, dass der deutsche Schienenverkehr im Fernverkehr (ab 50 km) den vollen Mehrwertsteuersatz von 16 % zahlen muss. Im europäischen Ausland zahlen die Bahnen dagegen durchweg keinerlei Mehrwertsteuer oder einen reduzierten Satz.(Quelle: Rede des ehemaligen Bundesumweltministers Jürgen Trittin 2002)

Doch weder die alte Regierung noch die Große Koaliton hat sich bislang zu diesem Entschluss durchgerungen.

Diese neunprozentige Preissenkung würde nicht nur die Geldbeutel der Bahnkunden schonen (ohne die Ertragslage der Bahn zu schwächen), sondern zugleich die Stellung der Bahn als ökologisches Transportmittel gegenüber Auto und Flugzeug (Flugbenzin nicht besteuert) stärken.


Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Germany
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