Herr Mehdorn, warum verkaufen Sie unsere Bahn?
Im Stern ist ein Interview mit Hartmut Mehdorn, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn erschienen. Das Thema: der geplante Börsengang der Deutschen Bahn. Das Bahnblog dokumentiert einige Auszüge aus dem Gespräch:
Stern: Was hat der Bahnkunde vom Börsengang?
Mehdorn: Er profitiert davon, dass wir mit neuem Kapital den Modernisierungsprozess der Bahn fortsetzen können. Der Kunde bekommt einen besseren Service und fährt pünktlicher, sauberer und noch sicherer.Stern: Wird Bahnfahren auch billiger?
Mehdorn: Es wird sicher nicht billiger. Wir werden insgesamt aber auch nicht teurer werden.[…]
Stern: Kritiker sagen, Mehdorn verkauft die Bahn viel zu billig, es gebe ungehobene Schätze in Ihren Bilanzen. In den vergangenen zehn Jahren haben Sie etwa 90 Milliarden Euro investiert. Knapp 40 Prozent davon sind Investitionszuschüsse des Bundes - also Steuergelder - gewesen. Wo sind die in Ihrer Bilanz?
Mehdorn: Ein Zuschuss wird nicht in eine aktive Bilanz mit einbezogen. Wenn Bund, Land und Kommunen einem Autohersteller Geld für eine neue Fabrik geben, taucht das auch nicht in der Unternehmensbilanz auf. Alles, was wir an Infrastrukturinvestitionen gemacht haben, ist in unserem Anlagewert von 40 Milliarden Euro in der Bilanz enthalten.[…]
Stern: Wir Steuerzahler haben in den vergangenen Jahren Milliarden in die Bahn gesteckt und müssen der Bahn in den nächsten zehn Jahren noch mal 25 Milliarden Euro als Investitionszuschüsse für Gleise und Anlagen geben. Und Sie verkaufen die Bahn für einen Bruchteil davon. Das ist doch komisch?
Mehdorn: Sie machen da irgendwo einen Bruch, der so nicht erlaubt ist. Die Bahn ist quasi im Gemeinwohl mit dem Bund verwoben. In diesem Land gibt es eben Schienennetze. Die werden durch Zuwendungen des Bundes bezahlt, und die bleiben da. Das ist doch etwas anderes als eine Montagestraße bei VW.[…]
Stern: Aber wenn wir Ihnen die jährlich 2,5 Milliarden Euro Staatshilfen streichen, schreiben Sie rote Zahlen.
Mehdorn: Sie mögen es anscheinend sozialistisch. Sie möchten wieder die Staatsbahn zurück; das höre ich heraus. Aber der Staat gibt der Bahn nie das Geld, das sie braucht. Er hat doch selber keines. Der Bundesbahn hat man damals nicht mal Mittel für Investitionen gegeben. Und dann hat dieses Land die Nase gerümpft und gejammert: Bei der Bahn geht es nicht voran! - So eine Dreistigkeit! Wir stellen die Bahn jetzt auf eigene Füße. Die Politiker sollen uns von der Kette lassen, dann lassen wir sie auch schrittweise aus ihren Investitionen raus. Wir sind Europas größtes Mobilitätsunternehmen. Wir sind ein Leuchtturm im Fenster der Deutschen in Richtung Europa. Einer ist immer der Erste, und das sind wir.
Mehr über das Selbstbewusstsein von Herrn Mehdorn und die Pläne der Deutschen Bahn kann man bei stern.de im kompletten Interview lesen.
