Archive for August, 2006

Niederlage für Mehdorn? Börsengang ohne Netz

Tuesday, August 29th, 2006

Nach einem Treffen des Koalitionsausschuss, einer Runde aus Regierungsvertretern und Experten der Regierungskoalition, ist weiterhin unklar ob die Bahn mit Netz an die Börse geht. Vertreter von Union und SPD sprachen nach der Sitzung von einer Entscheidung für eine Privatisierung ohne Netz. Nach Angaben des Verkehrsministeriums und von Bahnchef Mehdorn ist jedoch noch keine Entscheidung gefallen.

Widersprüchliche Stimmen

So erklärte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Uwe Beckmeyer: "Wir haben uns auf die grobe Richtung verständigt, dass das Netz an den Bund gehen soll." Auch der Verkehrsexperte der Union, Dirk Fischer sagte, "der vollständig integrierte Konzern ist mit der heutigen Sitzung vom Tisch".

Der Widerspruch ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Bahnchef Mehdorn betonte in einem Brief an seine Mitarbeiter, der Eindruck, dass der Koalitionsausschuss eine Entscheidung getroffen habe sei falsch.

Auch innerhalb der Koalition herrscht offensichtlich noch keine Einigkeit, Finanzminister Steinbrück favorisiert einen kompletten Börsengang des Konzern. So könnte die Bahn schon 2008 privatisiert werden, auch würde der mögliche Erlös höher ausfallen, als bei einem Verbleib des Netzes beim Bund.

Beteiligte Ministerien sollen weiteres Vorgehen beraten

Bevor ein Privatisierungsgesetz erarbeitet wird, sollen alle drei beteiligten Ministerien (Finanzen, Wirtschaft und Verkehr) verschiedene Varianten für die Privatisierung ausarbeiten. Dabei soll besonders das zukünftige Verhältnis von Bund und Bahn dargestellt werden.

Vermutlich wird das Netz formal beim Bund bleiben, der Bahn allerdings weitgehende Nutzungsrechte eingeräumt werden, die Eigentumsrechten gleich kommen würden (Nießbrauchmodell). Auch ein Zurückfallen des Netzes an den Bund nach einer gewissen Zeit (Rückholmodell) wird untersucht. Lediglich Mehdorns Pläne vom integrierten Börsengang scheinen vom Tisch zu sein.

Online-Ticket gestartet

Thursday, August 24th, 2006

Seit heute können Bahnkunden ihre Tickets auch per Mobiltelefon kaufen. Dazu notwendig ist ein modernes MMS-fähiges Gerät, auf das die Kunden nach der Bestellung einen 2D-Barcode geschickt bekommen. Der Barcode wird im Zug von den neuen Kartenlesegeräten der Zugbegleiter wie bei einem bislang üblichen Online-Ticket überprüft.

Teures Vergnügen

Die schöne neue Online-Welt der Bahn ist für den Kunden allerdings mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, sollte die MMS ihren Empfänger nicht erreichen, oder das Handy keinen Strom mehr haben, wird es für den Passagier teuer. In diesem Fall muss eine Karte im Zug nachgelöst werden, das kostet die üblichen Nachlösegebühren. Das ursprüngliche Ticket kann gegen eine Storno-Gebühr von 15 Euro innerhalb eines Jahres umgetauscht werden.

Wer nicht genügend Bargeld oder keine Kreditkarte dabei hat kommt günstiger davon. Zwar wird in diesem Fall eine Fahrpreisnacherhebung in der doppelten Höhe der Fahrkarte fällig, diese muss aber nach Nachweis der Handy-Buchung innerhalb von 14 Tagen nicht bezahlt, lediglich eine Gebühr in der Höhe von sieben Euro wird nacherhoben.

Auch die Sitzplatzreservierung ist per Mobiltelefon teuer, sie kostet genau wie am Schalter und Automat drei Euro, billiger wird es nur bei einer klassischen Online-Buchung, die (sofern Onlinezugang und Drucker vorhanden sind) bis zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges möglich ist und bei der lediglich 1,50 Euro fällig werden.

Bombenalarm behindert Bahnverkehr

Saturday, August 19th, 2006

Nach der Festnahme des Terrorverdächtigen Youssef Mohammed XXX in Kiel am frühen Morgen, dem eine Beteiligung an den gescheiterten Bombenanschlägen in zwei Regionalexpresslinien in Nordrhein-Westfalen zur Last gelegt wird, kam es heute zu mehreren Behinderungen im Bahnverkehr.

Kofferfund in Koblenz

Ein herrenlosen Koffer löste in Koblenz Bombenarlarm aus, ein Wagon einer Regionalexpress-Linie, in dem das Gepäckstück gefunden wurde, wurde abgekuppelt und auf einen entfernten Güterbahnhof gebracht, der Hauptbahnhof blieb während dieser Zeit gesperrt.

Bombenalarm in Hamburg

Ein anonymer Anrufer löste in Hamburg gegen 17:00 Uhr eine Räumung des Hauptbahnhofs aus. Mehrere Stunden war der komplette Fern- und Nahverkehr unterbrochen. Erst am Abend, nach einen erfolglosen Durchsuchung des Hauptbahnhofs, wurde die Sperrung aufgehoben. Mittlerweile normalisierte sich die Verkehrslage wieder.

Mehr Verspätungen zu erwarten

Tuesday, August 15th, 2006

Um während der Weltmeisterschaft in Deutschland pünktlich fahren zu können hatte die Deutsche Bahn viele Baumaßnahmen auf den Herbst verschoben. Durch die jetzt zu erwartende Bautätigkeit wird aller Voraussicht nach die Pünktlichsquote von derzeit etwa 85 Prozent weiter sinken.

Fahrpreise bleiben vorerst stabil

Monday, August 14th, 2006

Auf der Halbjahres-Bilanz Pressekonferenz verkündete Bahnchef Mehdorn, dass trotz guter Gewinne der Bahn im ersten Halbjahr höhere Preise nicht ausgeschlossen werden könnten. Mehdorn sagte in Frankfurt am Main, noch sei keine Entscheidung gefallen, wenn die Energiepreise aber weiter stiegen, müssten auch die Fahrpreise angehoben werden. Nach Angaben von Finanzvorstand Diethelm Sack stiegen die Energiekosten der Bahn im ersten Halbjahr um 20 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Erst im Dezember 2005 erhöhten sich die Ticketpreise für die 2. Klasse um 2,9 Prozent und die der 1. Klasse um gut 4,2 Prozent.

Die Deutsche Bahn AG hatte im ersten Halbjahr deutliche Steigerungen von Gewinn und Umsatz verbucht. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen lag bei 936 Millionen Euro, 2005 waren es noch 480 Millionen weniger. Mehdorn nannte als Gründe unter anderem die Fußball-Weltmeisterschaft und die anziehende Konjunktur.

Auch der Frachtverkehr im Plus

Die niedrigen Wasserstände von Elbe und Rhein trugen zu einem deutlichen Plus im Frachtgeschäft von Railion bei, das ein Jahr früher als vorgesehen schwarze Zahlen schreibt.

Bahn TV - auch als Video-Podcast

Wednesday, August 2nd, 2006

Wer schon immer mal wissen wollte was moderne Unternehmenskommunikation zustande bringt, sollte sich die Unternehmensdarstellung der DB AG anschauen. Das ‘Bahn TV‘ genannte Programm kann entweder live im Internet verfolgt werden, oder auch als Video-Podcast herunter geladen werden.

Das Programm kommt mit eigenen Nachrichten, bunten Berichten über die Bahnwelt und Magazinen, die gemeinsam mit Kooperationspartnern wie der Bahn BKK produziert werden daher. Allzu kritischen Journalismus sollte man vom Unternehmes-Fernsehen nicht erwarten, dafür gibt es aber auch Werbung, wie im echten Fernsehen.

Spötter behaupten, dass man an der Auftrittshäufigkeit des Bahnchefs Mehdorn Rückschlüsse auf die Befindlichkeit der Deutschen Bahn ableiten könne.

Bahn startet Handy-Ticket

Tuesday, August 1st, 2006

Ab 1. August können sich Bahnkunden unter www.bahn.de zur Teilnahme am Handy-Ticket der Bahn registrieren lassen. Die Teilnahme ist nur mit einem moderen MMS-fähigen Mobiltelefon möglich.

Nach der Suche der Verbindung, wählt der Bahnkunde die Zahlungsart (Kreditkarte oder Lastschriftverfahren) aus und schickt die Buchung bis spätestens zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges an das Buchungssystem der Bahn. Per MMS erhält der Kunde dann einen grafischen Code zurück, der von den Kartenlesegeräten der Zugbegleiter überprüft werden kann. Bereits seit August 2004 konnten Sitzplätze per Mobiltelefon reserviert werden.

Handy-Tickets können für Normalpreis-Verbindungen mit und ohne Bahncard-Rabatt ab einer Entfernung von mindestens 50 km gebucht werden. Sparpreise, Sonderangebote und Fahrten innerhalb von Verkehrsverbünden können nicht gebucht werden.

Mit dem Handy-Ticket erweitert die Bahn ihre Möglichkeiten zum Online-Kauf von Fahrkarten. Zur Zeit liegt der Anteil, der über das Internet vertriebenen Tickets bei cirka zehn Prozent.

Herr Mehdorn, warum verkaufen Sie unsere Bahn?

Tuesday, August 1st, 2006

Im Stern ist ein Interview mit Hartmut Mehdorn, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn erschienen. Das Thema: der geplante Börsengang der Deutschen Bahn. Das Bahnblog dokumentiert einige Auszüge aus dem Gespräch:

Stern: Was hat der Bahnkunde vom Börsengang?
Mehdorn: Er profitiert davon, dass wir mit neuem Kapital den Modernisierungsprozess der Bahn fortsetzen können. Der Kunde bekommt einen besseren Service und fährt pünktlicher, sauberer und noch sicherer.

Stern: Wird Bahnfahren auch billiger?
Mehdorn: Es wird sicher nicht billiger. Wir werden insgesamt aber auch nicht teurer werden.

[…]

Stern: Kritiker sagen, Mehdorn verkauft die Bahn viel zu billig, es gebe ungehobene Schätze in Ihren Bilanzen. In den vergangenen zehn Jahren haben Sie etwa 90 Milliarden Euro investiert. Knapp 40 Prozent davon sind Investitionszuschüsse des Bundes - also Steuergelder - gewesen. Wo sind die in Ihrer Bilanz?
Mehdorn: Ein Zuschuss wird nicht in eine aktive Bilanz mit einbezogen. Wenn Bund, Land und Kommunen einem Autohersteller Geld für eine neue Fabrik geben, taucht das auch nicht in der Unternehmensbilanz auf. Alles, was wir an Infrastrukturinvestitionen gemacht haben, ist in unserem Anlagewert von 40 Milliarden Euro in der Bilanz enthalten.

[…]

Stern: Wir Steuerzahler haben in den vergangenen Jahren Milliarden in die Bahn gesteckt und müssen der Bahn in den nächsten zehn Jahren noch mal 25 Milliarden Euro als Investitionszuschüsse für Gleise und Anlagen geben. Und Sie verkaufen die Bahn für einen Bruchteil davon. Das ist doch komisch?

Mehdorn: Sie machen da irgendwo einen Bruch, der so nicht erlaubt ist. Die Bahn ist quasi im Gemeinwohl mit dem Bund verwoben. In diesem Land gibt es eben Schienennetze. Die werden durch Zuwendungen des Bundes bezahlt, und die bleiben da. Das ist doch etwas anderes als eine Montagestraße bei VW.

[…]

Stern: Aber wenn wir Ihnen die jährlich 2,5 Milliarden Euro Staatshilfen streichen, schreiben Sie rote Zahlen.

Mehdorn: Sie mögen es anscheinend sozialistisch. Sie möchten wieder die Staatsbahn zurück; das höre ich heraus. Aber der Staat gibt der Bahn nie das Geld, das sie braucht. Er hat doch selber keines. Der Bundesbahn hat man damals nicht mal Mittel für Investitionen gegeben. Und dann hat dieses Land die Nase gerümpft und gejammert: Bei der Bahn geht es nicht voran! - So eine Dreistigkeit! Wir stellen die Bahn jetzt auf eigene Füße. Die Politiker sollen uns von der Kette lassen, dann lassen wir sie auch schrittweise aus ihren Investitionen raus. Wir sind Europas größtes Mobilitätsunternehmen. Wir sind ein Leuchtturm im Fenster der Deutschen in Richtung Europa. Einer ist immer der Erste, und das sind wir.

Mehr über das Selbstbewusstsein von Herrn Mehdorn und die Pläne der Deutschen Bahn kann man bei stern.de im kompletten Interview lesen.


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