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“Die Wurst ist abgebissen …” - Bahn eröffnet den Berliner Hauptbahnhof

Friday, May 26th, 2006

Heute wird der neue Berliner Hauptbahnhof eröffnet. Das ist für verschiedene Zeitungen Anlass in Interviews mit dem Architekten Meinhard von Gerkan auf die Probleme mit Bahnchef Mehdorn zu verweisen. Dieser hatte am Bahnhof , angeblich kostensenkende, Veränderungen gegen den erklärten Willen des Architekten durchgesetzt. So wurden die Bahnsteigüberdachungen verkürzt und damit die Proportionen des Gebäudes deutlich verändert, Gewölbedecken durch einfache flache ersetzt und das Außenbeleuchtungskonzept geändert.

Gerkan spricht in einem Interview mit der taz von einer ‘Vernichtungsaktions’ an seiner Architektur und äußert sich entsetzt über Mehdorn, der während der Bauzeit vom neuen Hauptbahn als seinem Schlafzimmer gesprochen hatte, in dem er die Tapeten bestimmen dürfe. Im einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung hält Gerkan seine Eröffnungsrede, die ihm die DB AG verwehrt hatte, hier in Auszügen zitiert:

Der heutige Bahnchef tut so, als hätten sie alles allein aus dem Hut gezaubert. Dabei ist das, was heute eingeweiht wird, derjenige Teil eines Gesamtwerkes, der die Zerstörungsaktionen der Bahn überstanden hat. Die beiden schlimmsten Verstümmelungen sind hinlänglich bekannt: Erstens die mutwillige Verkürzung des Bahnhofsdaches, die zu gravierenden funktionalen, städtebaulichen und architektonischen Mängeln geführt hat. Alle Behauptungen der Bahn, dadurch seien Kosten und Zeit gespart worden haben sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt. Die Dachverkürzung verursachte Mehrkosten von rund 40 Millionen Euro. Auch die Bauzeit verlängerte sich dadurch. Zweitens: Die verbeulte Flachdecke mit der banalen 08/15-Beleuchtung im Inneren des Gebäudes. Sie wurde heimlich mit einem dritten Architekten geplant – und macht das beabsichtigte einmalige Raumerlebnis in der unteren Bahnhofshalle zunichte. Die innovative Außenbeleuchtung von dem Büro Angerer und Andres wurde durch eine Zirkusdekoration ersetzt. Diese Skandale hätten spätestens dann personelle Konsequenzen nahe gelegt, als der Bahnchef den Bahnhof öffentlich mit seinem eigenen Schlafzimmer verglich, in dem er beanspruchte, alleine die Auswahl der Tapeten bestimmen zu können. Allen Bemühungen meinerseits, Politiker in den höchsten Rängen zu bewegen, diesem Unwesen Einhalt zu gebieten, war kein Erfolg beschieden. Gerhard Schröder meinte: “Mensch, Gerkan, die Wurst ist lang genug; ich sehe sie jeden Tag.” Zwei Jahre später, bei seiner Kanzler-Abschiedsparty bekannte er: “Der Architekt hat Recht, die Wurst ist abgebissen – vorne und hinten.” […] Mein eindringlicher Appell an die Bundesregierung, Frau Merkel und die Öffentlichkeit lautet: Bitte sorgen Sie dafür, dass die schweren Verunstaltungen des Bahnhofs repariert werden. Die Teile des fehlenden Dachabschnittes sind bezahlt und eingelagert; sie können in wenigen Wochen montiert werden. Ebenso leicht kann die ordinäre Blechdecke gegen die vorgesehene Gewölbedecke mit einer faszinierenden Lichtinszenierung ausgetauscht werden.


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